zitate von bazon brock

AUFKLÄRUNG bedeutet, nicht die Identität zwingen zu wollen, sondern
tatsächlich lügen zu können, denn nur in der FÄHIGKEIT ZUR LÜGE entwickeln
wir die Verantwortung für die eigene Argumentation.

Nur das FALSCHE ist als solches noch wahr.

Wir haben vergessen, daß ein PROBLEM ZU LÖSEN immer nur heißen kann, neue
Probleme zu schaffen.

Kein FASCHIST ist nur, wer von sich weiß, daß er durchaus einer sein könnte.

AVANTGARDE ist nur das, was uns veranlaßt, neue Traditionen zu bilden.

Mit anderen Menschen im Denken, Vorstellen übereinzustimmen, heißt, mit
ihnen die gleichen VORURTEILE und MISSVERSTÄNDNISSE zu teilen.

Bedeutung steckt nicht in den Dingen wie der Keks in der Schachtel.

Tue Gutes, und Du wirst viele Feinde haben.

Solange ich hier bin, stirbt keiner.

Demokratien wird durch die gemeinsame Inkompetenz begründet.

Mythen und Wahrheiten sind urheberlose Ideen.

Die normative Kraft des Kontrafaktischen: Wenn die Wirklichkeit nicht mit
unseren Konzepten übereinstimmt, umso schlimmer für die Wirklichkeit; jetzt
erst recht!“

Gott ist nicht mehr eine Frage des Glaubens, sondern der
Endlagerungssicherheit.

Musealisierung ist die Strategie des Fortschritts, vor allem der Zähmung des
Mutwillens von Kulturkämpfern, Testosteronkriegern, Virilblutern und ihrer
ideologischen Betreuer.

Die Richtung weist der Sturm aus der Zukunft, den wir Alter nennen – also
immer gegen den schärfsten Wind, das zeigt den Weg.

Die stärkste Kraft des Widerstands ist das Ja-sagen.

Die menschlichen Leben unterliegen zwei Regimen: dem Regime der
Zeitlichkeit und dem der Ewigkeit.

Der Weigerung, erwachsen zu werden, also Verantwortung zu übernehmen, ließe
sich entgegentreten, indem man übt, sich mit den Tätern zu identifizieren.

Nur das Falsche ist als das erkannte Falsche noch wahr.

Avantgarde ist nur diejenige Neuheit, die uns zwingt, für das Alte neue
Traditionen zu bilden.

Hominisierung vor Humanisierung: Menschen sind von Natur aus
kulturpflichtig. Die Frage nach dem Guten, Wahren und Schönen stellen nicht
die Kulturen, sondern die Natur des Menschen.

Der Verbotener Ernstfall: Unter zivilisierten Menschen gilt, dass Kriege nur
zur Verhinderung von Kriegen geführt werden dürfen.

Die Pompeijanisierung des Blicks: Aufdauerstellen eines Moments der
Gegenwart als zukünftige Vergangenheit.

Bestaunt werden Kraftmenschen der Selbstentfesslung, Genies der
Selbstverwirklichung und Märtyrer der Selbstaufopferung, also typische
Kulturheroen. Zivilisierte Menschen setzen alles daran, die Bestie in sich
unter Kontrolle zu bringen.

Bedeutung steckt nicht in den Dingen wie der Keks in der Schachtel.

Die Ästhetik des Unterlassens: Das Nicht-Tun wird zur wichtigsten Handlung!

Der Generalist ist der Spezialist fürs Allgemeine.

Objekte der Erinnerungskunst verweisen auf das, was wir vergessen müssen, um
uns Erinnern zu können, und was wir erinnern müssen, um es vergessen zu
können.

Lustgewinn durch Erschöpfung. Die Zeitgenossen steigen vom Orgasmus auf den
Augiasmus um.

Wie man wird, der man nicht ist.

Mihilismus für Ich-Schwache

Von den Künstlern zu lernen, heißt altwerden zu lernen, also zu lernen,
Lebenslauf und Werklauf so in Beziehung zu setzen, dass die Erfahrung von
Vollendung möglich wird.

Meister fallen nicht vom Himmel. Als Künstler wird man nicht geboren. Zum
Künstler bildet man sich aus.

Der Triumph im Misslingen oder das Scheitern als Form der Vollendung konnte
zum Inbegriff künstlerischer Größe werden.

Ideale sind nur Denknotwendigkeiten, um die Welt realistisch zu sehen.

Wir führen das schöne, Gute und Wahre immer dann an, wenn wir der Zumutung
von Hässlichkeit, Unverbindlichkeit und Täuschung ausgesetzt sind. Nie
empfinden wir die Sehnsucht nach der schönen heilen Welt stärker als
zwischen Trümmern und vor dem Scheidungsrichter.

Vergangenheiten sind die Zukünfte von ehemals, Gegenwart ist die zukünftige
Vergangenheit.

Künstlersein definiert sich nicht mehr aus der Werkproduktion, sondern aus
der Begründung eines Geltungsanspruchs.

Generalist sein heißt bestenfalls, alles zu lieben, aber nicht über alles
Bescheid zu wissen.

Ich muß mich genetisch oder extragenetisch vererben, um denken zu können,
dass ich eine Gewesener bin.

Wer viel tut, hat viel Zeit.

BEWEGER
ALWAYS DOING THINGS FOR YOU

BEWEGER
ALWAYS FISHING FOR COMPLICATIONS

Der Demokrat lebt aus der Ohnmachtserfahrung und der Anerkennung der
Wirklichkeit als das, worauf wir keinen Einfluß haben.

Denn strategisch hat zu denken, wer mit dem Scheitern der eigenen Vorhaben
gerade deshalb rechnet, weil er das Scheitern zu verhindern sucht.

Nur noch in der Falschheit hat man einen Begriff des Wahren, nur noch in der
Hässlichkeit kann man noch einen Begriff des Schönen entwickeln.

Zivilisierung basiert auf der Hoffnung, dass wir zu akzeptieren lernen, auch
nur Menschen wie alle anderen Menschen zu sein.

Wie müssen kommunizieren, weil wir uns nicht verstehen können.

Im anderen sich selbst erkennen oder: Ich ist ein anderer.

Bedeutung steckt nicht in den Dingen wie der Keks in der Schachtel.

Höre: Deine Veränderungsangst wirst du nur überwinden, wenn du die
Vergangenheit als eine ehemalige Zukunft vergegenwärtigst – und wenn du das,
was vor dir liegt (ob du es fürchtest oder ersehnst) als eine zukünftige
Vergangenheit zu betrachten lernst.

Generalist sein heißt bestenfalls alles zu lieben, aber nicht, über alles
Bescheid zu wissen.

Wir haben nicht zuwenig Zeit, sondern wir verbrauchen zuviel davon. Keine
Zeit hat also, wer die Zeit nicht zu nutzen versteht.

Von den Künstlern zu lernen, heißt altwerden zu lernen, also zu lernen,
Lebenslauf und Werklauf so in Beziehung zu setzen, dass die Erfahrung von
Vollendung möglich wird.

Keine Zeit hat, wer Tag und Nacht, Werktag und Feiertag, Vergangenheit und
Zukunft nicht mehr unterscheiden kann.

Vollendung kennzeichnet die Perfektion als Fragestellung, deren Beantwortung
aus immer neuen Fragen besteht.

Generell muss man Kunstwerke als Problemstellung und nicht als Lösungen von
Problemen betrachten.

Je weniger die Realität unseren Idealen entspricht, desto stärker mach sich
diese Ideale bemerkbar. Alle Versuche, sie in Staaten, persönlichen
Beziehungen oder Werken zu verwirklichen, hatten katastrophale Folgen.

Das allgemein gefürchtete Missverstehen nutzen wir beim Kunstwerk als
Anregung, unser Denken und unsere Fähigkeit zur Kommunikation zu erproben –
ohne Scheu und ohne Furcht vor negativen Folgen.

Wären wir darauf angewiesen, uns selbst und die Welt, in der wir leben,
verstehen zu müssen, bevor wir auch nur einen Lichtschalter betätigen, säßen
wir für immer im Dunkeln.

Als gereift erkennen wir einen Menschen an, der mit Würde zu entbehren weiß,
was ohnehin nicht zu erreichen ist. Unreife Jugendlichkeit lässt sich mit
dem rücksichtslosen Verlangen beschreiben: „Wir wollen alles, und zwar
sofort!“

Alter ist ein Sturm aus der 7ukunft und nicht ein treibender Rückenwind aus
dem verlorenen Paradies. Wer das in Rechnung stellt, kann mit seiner
wohlbegründeten Zukunftsangst besser umgehen, denn er hat den Schrecken des
Endes schon hinter sich.

Es ist ein Vorzug des Älterwerdens, die Unterscheidung von Belebt und
Unbelebt, von Natürlich und Artifiziell nicht mehr für vorrangig zu halten
und dem Wechselbad der Gefühle wie der Mehrdeutigkeit und Mehrwertigkeit
aller Zeichen mit eindeutigen Werturteilen nicht mehr entfliehen zu müssen.

Wer ist schon noch bereit, zu erkennen, dass Alter die einzig verbindlich
vorhersagbare Zukunft der Jugend ist. Das Altern hat man vor sich und nicht
hinter sich.

Sanduhr: Die Uhr des Lebens wird gekippt, damit von neuem Lebenszeit
vergehen kann.