REVOLUTION NOW!
Eine Inszenierung unter realen Bedingungen
> Uraufführung Do, 4. Februar 2010 l 20 h
> Weitere Termine: 6. + 10.02. und 22. + 28.03. │ 20 h
> Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
> 6. – 08. Mai 2010 │ donaufestival Niederösterreich, Krems
> 30. Juni und 1. + 3. Juli 2010 │ Schauspiel Köln
Konzept: Gob Squad
Performance und Entwicklung: Johanna Freiburg, Sean Patten, Sharon Smith, Berit Stumpf, Sarah Thom, Laura Tonke, Bastian Trost, Simon Will
Musik-Arrangement und Live-Musiker: Christopher Uhe
Material zu REVOLUTION NOW!
Songtexte
Auszug: The Revolution Will Not Be Televised – Gil Scott-Heron
[...]
The revolution will not give your mouth sex appeal.
The revolution will not get rid of the nubs.
The revolution will not make you look five pounds thinner,
Because the revolution will not be televised, Brother.
[...]
Auszug: Invasion Hit Parade – Elvis Costello
[...]
Incidentally the revolution will be televised
With one head for business and another for good looks
Until they started arriving with their rubber aprons and their
butcher's hooks
[...]
Presse
„Plötzlich ist da nicht mehr Avantgarde, sondern Leben, nicht Programm, sondern Intelligenz, nicht mehr Getue, sondern einfach Theater, federnd, präzise, elegant, berührend, fremd, frech.“
Gerhard Stadelmaier, FAZ, 08/09/1997
„they’re smart“
The Herald, 03/08/1999
„Eigenartig aber sympathisch“
Wiener Zeitung, 30/04/2005
„das, was Gob Squad da machen und diese Musik, das alles ist so wunderschön, richtig und frei“
jetzt.de, 22/06/2006
„Gob Squad holen das Theater in den Alltag und den Alltag ins Theater“
Tobias Becker, Spiegel Online, 07/06/2008
Gob Squad: Die wahre Geschichte
Teil Eins: Die frühen Jahre
1992 Eine Gruppe langhaariger Studenten des Kunststudiengangs an der Trent University, Nottingham macht ihre erste Performance, um freien Eintritt zum legendären Glastonbury Musik-Festival zu erhalten. Sie brauchen einen Namen und nennen sich „The Gob Squad“ – nach einer Mix-Kassette, die zufällig im Transporter auf dem Weg nach Somerset läuft.
Teil Zwei: Auf dem Weg nach oben
1994 Die Gruppe entwickelt ihre erste professionelle Arbeit House in einem Sozialwohnungsbau der Stadt Nottingham. Sean Patten, Sarah Thom und Berit Stumpf bringen das Projekt auf den Weg, dem sich später auch Liane Sommers, Johanna Freiburg und Miles Chalcraft anschließen. Alex Large spielt im Garten einen Staubwedel-Vertreter. Das Projekt wird von dem jungen Kuratoren Simon Will für die Expo 94 mit einem Gesamtbudget von 400 Pfund in Auftrag gegeben.
1995 Ihren gesamten Verdienst aus ein bisschen Lehrtätigkeit geben Patten und Thom für einen Computer aus. Sie sind die ersten in ihrer (zugegebenermaßen runtergekommenen) Straße, die einen Computer besitzen, schreiben darauf das Konzept zu Work und übergeben es begeistert dem Leiter des NOW Festivals, Andrew Chetty. Später in diesem Jahr wird Work eine Arbeitswoche lang täglich von 9 – 17 Uhr aufgeführt. Diejenigen, die für die nächsten 5 Jahre Kernmitglieder der Gruppe sein sollen, arbeiten zusammen an dem Projekt: Freiburg, Large, Patten, Sommers, Stumpf, Thom. Miles Chalcraft arbeitet ebenfalls mit.
1996 Die Gruppe, die jetzt im Kollektiv an Konzept, Ausstattung, Planung und Ausführung ihrer Projekte arbeitet, produziert An Effortless Transaction, das in einem Möbelgeschäft im Broadmarsh-Einkaufszentrum in Nottingham aufgeführt wird.
1997 15 Minutes to Comply wird in einer unterirdischen Straßenbahn-Haltestelle auf der documenta X präsentiert und macht die Gruppe über Nacht bekannt. Das erste Gob Squad-Büro öffnet in Nottingham. Die erste Website und Visitenkarten werden produziert. Close Enough to Kiss tourt durch England und Deutschland.
Teil Drei: Ruhm und Reichtum
1998 Martin Cooper, ein Tontechniker, wird angeworben, am Soundtrack von Calling Laika zu arbeiten. Das Projekt wird am TAT Frankfurt unter den wachsamen Augen des Impresarios Tom Stromberg produziert. What Are You Looking At? hat auf der berlin biennale Premiere und für ein paar ungestüme Tage werden Gob Squad zum Stadtgespräch.
1999 Simon Will tritt der Gruppe bei. Während des Probenprozesses zu Safe versuchen sich die Mitglieder an Rock-Instrumenten. Nach wochenlangen Mühen wird „Rockin’ All Over the World“ auf der Kampnagel-Premiere in Hamburg gespielt. Der Großteil der Gruppe lebt jetzt in Berlin und wird auf Einladung der Kuratorin Aenne Quiñones Artist-In-Residence im Podewil, Zentrum für zeitgenössische Kunst. Christina Runge, noch Studentin der KulturArbeit, übernimmt die Administration. Little White Lies, eine einmalige Performance für Live- Publikum und Radio-Übertragung, wird an der Akademie der Künste präsentiert.
2000 Trotz Hilfe in letzter Minute durch Sounddesigner Sebastian Bark, ruft Say It Like You Mean It bei der Premiere gemischte Reaktionen hervor. Where Do You Want To Go To Die?, eine Video-Installation im Minibus, wird für die Expo 2000 Hannover produziert und auf dem Gelände vor dem Deutschen Pavillon aufgebaut. Kurz nach der Eröffnung wird das Stück von den Organisatoren abgesetzt, da sie eine schlechte Publicity fürchten, nachdem ein Besucher im Gebäude zu Tode gestürzt ist.
Teil Vier: „Ch… Ch… Changes“ (Veränderungen)
2001 Safe tourt durch die USA. Dies sind die letzten Aufführungen, da sich Liane Sommers und Alex Large entscheiden, die Gruppe zu verlassen, um Solo-Karrieren in der Musikvideo-Industrie zu verfolgen. Die übrigen Mitglieder schließen sich erneut mit Miles Chalcraft zusammen und schlagen eine neue Richtung ein, sie arbeiten mit Internet-, Telefon- und Video-Technologie an The Great Outdoors.
2002 Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt jetzt deutlich über 30. Journalisten haben aufgehört, das Kollektiv als „junge Künstler“ zu bezeichnen. Für Room Service fragt die Gruppe den Film- und Fernsehschauspieler Bastian Trost und die amerikanische Performance- und Videokünstlerin Elyce Semenec, an dem Projekt mitzuwirken. Auch Sounddesigner Jeff McGrory arbeitet zum ersten Mal mit Gob Squad. Die Neuorientierung zeigt Wirkung und Room Service wird als großer Erfolg verzeichnet.
Teil Fünf: Welt ohne Grenzen
2003 Das Gob Squad-Büro zieht in einen ehemaligen Parfüm-Laden in Berlin-Mitte um. Nach und nach füllt der Kalender sich mit Room Service-Gastspielen. Die Gruppe verbringt die beiden heißesten Wochen, die Großbritannien seit Jahrzehnten erlebt hat, auf den mit Wodka, Kriminalität und Erbrochenem gepflasterten nächtlichen Straßen von Nottingham. Leicht bekleidet, mit Video-Kameras in der Hand, drehen sie improvisierte Filme mit Passanten. Diese Ausbeute wird sich später zu Super Night Shot entwickeln, dessen Premiere am Prater der Volksbühne Berlin im eiskalten Dezember stattfindet. Bastian Trost tritt der Gruppe bei und wird das erste Gob Squad-Mitglied, das jemals eine Schauspielschule besucht hat.
2004 Nach jahrelangem Touren durch Deutschland, Großbritannien und einen Großteil Europas, ist nun die Zeit gekommen, die letzte Grenze zu erobern: Frankreich. Festivals überall im Land zeigen Interesse an den Arbeiten der Company. Die Arbeit an Prater-Saga3: In diesem Kiez ist der Teufel eine Goldmine beginnt. Gob Squad beenden das Jahr mit einer Party zum zehnjährigen Jubiläum und einer riesigen Torte.
2005 Noch etwas verkatert von der zehnjährigen Jubiläumsparty, beginnen Gob Squad die nächste Dekade mit ihrer Arbeit an King Kong Club – einer Art Maskenball, dessen Dresscode ein Gorillakostüm ist. Nach der Hamburger Premiere gehen Beschwerdebriefe bei einer lokalen Zeitung ein, weil ein zehnjähriger Junge – anonym im Affenkostüm – angeblich in einer simulierten Orgienszene mitgewirkt habe. “Ich dachte, es handelte sich um einen kurzgewachsenen Mann”, erklärte Sean Patten der beunruhigten Theaterleitung. In Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Robert Shaw wird erstmals von Gob Squad ein halbstündiger Film, von drei Kameras gerade erst aufgenommen, am selben Abend vor Publikum live editiert und mit Voiceover versehen zur Aufführung gebracht. Super Night Shot wird zum erfolgreichsten Stück in der Geschichte von Gob Squad und beginnt seine Tour u.a. in England. Außerdem beginnt für Gob Squad in diesem Jahr eine Zusammenarbeit mit Tomas Zierhofer, der plötzlich bei einer Hamburger Aufführung erscheint und verspricht bei dem von ihm kuratierten donaufestival in Niederösterreich, alles von Gob Squad zu zeigen, was es im Repertoire gibt. Über die Jahre soll sich dieses Versprechen tatsächlich einlösen. Zum ersten Mal seit Bestehen der Gruppe leben nun alle Mitglieder in derselben Stadt: Berlin. Bill Gee, Gob Squads UK Manager, verlässt seine Position aufgrund einer Liebe in Australien. Ayla Suveren nimmt seinen Platz ein und erobert neues britisches Terrain.
2006 Ein Mann vom Kulturprogramm der Fußball-WM (die in diesem Jahr in Deutschland ausgetragen wird) ruft im Gob Squad Büro an und bietet einen sechsstelligen Betrag für einen Event beim Endspiel im Olympiastadion. Er meldet sich nie wieder und alle Versuche, den Auftraggeber ausfindig zu machen, sind vergebens. Im Prater der Volksbühne hat Me, The Monster Premiere – eine Videoperformance, die ihr Publikum in verschiedene Monstertypen einteilt, die wie Labormäuse mit der Kamera live studiert und charakterisiert werden. In Brasilien wird eine Gruppe aus Schauspielern, Tänzern, Storytellern und DJs aus São Paulo und Rio rekrutiert und “Os Recrutas do Gob Squad” formiert sich. Nach dreiwöchigem Training auf den Straßen der südamerikanischen Megastädte wird eine Version von Super Night Shot in portugiesischer Sprache mit brasilianischem Einfluss präsentiert – so schillernd, schrill, tragisch und unvorhersehbar wie das Leben auf den Straßen dieser Städte selbst. Bei der Premiere in Rio wird von Seiten der korrupten und berühmt berüchtigten Polizei mit Festnahmen gedroht, da das Tragen von Unterwäsche (für das Finale notwendig) im öffentlichen Raum angeblich illegal sei. In letzter Minute wird ein Kurier vom British Council HQ mit dem Kauf von Bikinis beauftragt, die in der Strandstadt komplett legal sind, versteht sich.
2007 Das Jahr beginnt mit einem Gastspiel von Super Night Shot in Québec mitten im tiefsten kanadischen Winter. In der Gefriertruhe wird im Vorfeld getestet, ob die Kameras den Minustemperaturen von bis zu 25° unter Null standhalten. Trotz großem Bangen, ob Performer und Kameras die Widrigkeiten überleben werden, kommen alle heil im Theater an und die Show kann beginnen… Inspiriert von den frühen Filmen Andy Warhols beginnen die Arbeiten zu Gob Squad’s Kitchen. Das Performerpool erweitert sich um Filmschauspielerin Laura Tonke und Tänzerin/Performerin Sharon Smith, sowie Akademikerin Nina Tecklenburg. Es gibt nun ebenso viele Babies in der Gruppe wie Erwachsene und Probenarbeiten erweisen sich alsgrößere Herausforderung mit herum rollenden Kleinkindern, die sich in Kabeln verheddern, Stecker ziehen und im Set gewindelt werden. Mit Ende des Jahres beginnen Gob Squad eine Welt zu erobern, an die man nicht einmal im Traum gedacht hatte – das Stadttheater. Die neue Künstlerische Leitung des Schauspiels Köln bucht gleich ein ganzes Paket von Gob Squad Gastspielen – u.a. auch die bis dahin untourbar geglaubte Prater Saga 3 – die von nun an im Kölner Repertoire gezeigt wird. Kitchen wird ebenfalls zum Exportschlager und spielt im Repertoire der Volksbühne im Prater – stets vor ausverkauftem Haus.
2008 Das Jahr beginnt mit der Arbeit an dem bis dato technisch ambitioniertesten Projekt und ungeahnten Herausforderungen für das gesamte Team – Saving The World. Die grundlegende Idee von sieben synchronisierten Videokameras, deren nahtlose Aufnahmen ungeschnitten zu einem Panoramafilm der Gegenwart werden, ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch nicht ohne Tücken. Bei der Berliner Premiere stürzt ein Computer ab und bringt Videotechniker Martin Cooper ins Schwitzen: Per Hand muss er vor anwesendem Publikum gleichzeitig zwischen 7 Kameras jonglieren, bis die Synchronität wieder hergestellt ist. Super Night Shot tourt nach Sibirien, wo die Gruppe an einem Tag sieben Interviews an lokale Fernsehsender gibt – was wenig Zeit lässt für die eigentlichen Vorbereitungen der Show. Es gibt kein heißes Wasser in der ganzen Stadt, der Veranstaltungsort hat kein funktionstüchtiges Abspielgerät, und der Künstlerische Direktor befindet sich in einer endlosen Partie Schach und ist daher nur bedingt in der Lage, die wachsenden Probleme in den Griff zu kriegen. Die Aufführung wird dennoch zum Riesenerfolg und das Darstellerteam zu den Stars des Tages.
2009 Der Gob Squad-Tourkalender füllt und erweitert sich beständig – ebenso der Pool an Performern und die gesamte Belegschaft. Gob Squad schaffen es inzwischen, mit verschiedenen Produktionen an zwei bis drei Orten gleichzeitig zu sein. Dafür sehen die Gruppenmitglieder sich fast nur noch an Flughäfen und Bahnhöfen. Nur kurze Zeit nach einem Gastspiel von Kitchen in Singapur und einem sagenumwobenen Filmkuss zwischen einer Performerin und einer Zuschauerin verliert der Künstlerische Leiter des Theaters seinen Job.
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