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09.5.2010 rheinische rebellen 2.0 jetzt auch auf facebook


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| schauspiel köln | alle einträge im blog | intro vom 02.6.2009 (der erste eintrag im blog von rebell.tv)

08.5.2010 rr20: Bau mir ein Haus aus den Knochen von Chargesheimer

(c) Charles E. Fraser: Chargesheimer bei L. Fritz Gruber, Köln 1950 von http://www.museenkoeln.de/ausstellungen/mlu_0907_char/s8.asp

Die Jugendlichen führen durch die Stadt und lassen den Zuschauer Köln durch ihre Augen, ihre Geschichten, ihre Lügen wahrnehmen. Spieler und Zuschauer werden zu Voyeuren der Stadt. Gemeinsam beobachten sie Verbrechen, Liaisons, Straßen, Zimmer, Plakate, Hotelhallen. Es gibt keine zusammenhängende Geschichte, die auf einen Helden ausgerichtet ist, sondern Lebensgeschichten der Städtebewohner, ob Mensch oder Tier, ob aus der Stadtchronik oder aus Mythen, aus den Gebäuden, Straßen, Vierteln. Die Figuren tauchen für einen Moment auf, um dann wieder im Lärm der Masse unterzugehen. Erzählt wird ein Panorama der Stadt, durch die Zeiten streifend, in einer losen Ansammlung von Geschichten über Liebe, Vergnügen, Bewegung, Rechtsprechung, Vergänglichkeit und Architektur. Fundstücke und Hinterlassenschaften, die unser Leben bestimmen, zeigen eine Stadt, die uns liebt, hofiert oder ausspeit, wir sind letztlich nebensächlich und unbedeutsam in ihrer Chronik.

Nachdem die Rebellen in der Spielzeit 2009/10 sich von J.W. Goethe und Helene Hegemann verfertigten Texten gewidmet haben, schreiben wir diese Spielzeit wieder selber: »Bau mir ein Haus ... « basiert auf heftigen, abseitigen und randständigen Recherchen, die uns in der ersten Hälfte der Spielzeit beschäftigen. Dabei kann alles zu Theatertext werden, ein altes Stück von Millowitsch, aber auch eine Todesanzeige im Stadtanzeiger, ein Werbetext von KölnTourismus, eine Verlautbarung der Diözese, ein Interview mit Ureinwohnern, vielleicht ein Lied: In den Winterferien wird an der Auswahl der Recherchen gearbeitet, um nach dem Jahreswechsel mit den Proben zu beginnen, die das gesammelte Material in eine Form bringen, die der Erzählweise des episodischen Films folgt. Die einzelnen, lose miteinander verbundenen Handlungsstränge entwickeln ein komplexes Geflecht – eine Haupthandlung im klassischen Sinne gibt es nicht.

Weil Verzettelung und Selbstüberforderung unsere grundsätzlichen Antriebskräfte sind, drehen wir auch weiter Filme als Umsetzung rebellischer Fantasien und präsentieren im Laufe der Spielzeit die Internetsoap vom letzten Jahr (die vielleicht noch ein Spielfilm wird). Bisher heißt sie KOMPLIZEN. Also brauchen wir nach wie vor nicht nur engagierte Spieler und Schreiber, sondern auch Musiker, Kameraleute, Cutter, Rebellen für Licht, Presse, Produktion oder Aufnahmeleitung.

Am Wochenende 18./19.09.2010 öffnen wir uns wieder für Interessierte. Überwindet die Trägheit! Verbreitet Eure Ansichten! Wenn Ihr nicht länger zusehen wollt. Besetzt Räume! Sendet Botschaften! Bedrängt die Stadt! Bildet Banden! Macht Euer Theater selbst! Kommt zu den Rheinischen Rebellen 2.0! Interessierte Jugendliche ohne Angst zwischen 17 und 25 bitte melden unter rr@schauspielkoeln.de.

Regelmäßige Teilnahme Vorraussetzung!

Gedächtniskirche Berlin von http://www.museenkoeln.de/ausstellungen/mlu_0907_char/s1.asp (c) Chargesheimer

In Zusammenarbeit mit ((( rebell.tv ))) / blog.rebell.tv/rheinische-rebellen

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11.4.2010 DEINE FASSADE BEGINNT ZU BRÖCKELN: Erste Kritik und Bilder

Rheinische Rebellen
Rheinische Rebellen

Arielles empfindliche Seele

von Guido Rademachers

Köln, 10. April 2010. Dort, wo sich sonst in Karin Beiers Theatertreffen-Inszenierung "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" die Figuren gegenseitig fertigmachen, ist auch das Publikum bestens aufgehoben. Auf der Bühne der Halle Kalk sind anstelle des Hartz-IV-Wohncontainers etwa hundert Stühle aufgebaut. Der Zuschauerraum ist von sieben jungen Männern, etwa zwischen 17 und Anfang 20, okkupiert. Es sind die "Rheinischen Rebellen 2.0", Mitglieder des Kölner Schauspielhaus-Jugendclubs.

Vom Band zwitschert und pfeift Landidyll. Der erste Rebell springt aus einer der samtroten Klappsitzreihen auf, breitet die Arme aus und ruft mit Maximal-Emphase: "Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam!" Im Schlabberdress (Jogginghose, T-Shirt) plus netter historischer Kostümfundus-Applikation wie Perücke, Rüschenhemdrest oder Halstuch stürmt und drängt man zu Goethes Werther. Und zu Helene Hegemann und ihrem Text "Ariel 15".

Schmerz des Verliebtseins, Balsam der Einsamkeit

Kaum haben sich die sieben Darsteller nacheinander zum 16. Junius-Brief vorgearbeitet und mit Werther zu ahnen begonnen, dass nach der Begegnung mit Lotte der Balsam der Einsamkeit an Köstlichkeit erheblich verloren hat, schnellen die Köpfe von zwölf Mädchen hinter den Lehnen hervor. "Ich prophezeie!", tönt es im Chor. "Das Rezept ist einfach: man muss sich auf den Teufel verlassen (…), ganze Sätze der Erwachsenen nehmen, sie aneinanderreihen, wiederholen, ohne sie zu verstehen." "Ah", staunt einer der männlichen Darsteller in ein Mikrofon, und auch im Zuschauerraum sind Lacher sicher.

Klar, die Plagiatsdebatte um Helene Hegemann ist aus dieser Inszenierung nicht wegzudenken. Einzelne Sätze lassen aufhorchen und verweisen aufs literarische Remixen. "Was ich im Grunde bin: ein Kulturgut. Die Kultur durchtränkt mich, und ich reiche sie durch Ausstrahlung weiter." Oder: "Ich habe keinen Wert mehr darin gesehen, meine Existenz auf etwas anderem aufzubauen als Lügen. Was gezählt hat, war die Gegenwart und die Reaktion meines Umfelds, dem ich Brutalitäten in die Fresse geschleudert habe, und die Tatsache, dass ich ein Kind bin."

Identitäten-Remix

Hegemanns Theaterstück "Ariel 15 oder die Grundlagen der Verlorenheit", Ende 2007 im Berliner Ballhaus Ost uraufgeführt und 2008 vom Deutschlandradio als Hörspiel produziert, reflektiert bereits zwei Jahre vor "Axolotl Roadkill" in aller wünschenswerten Klarheit die Verwertungsstrategien einer fast noch kindlichen Autorin. Angemessen scheint es, die fünfzehnjährige Helene Hegemann ernst zu nehmen, anstatt der Siebzehnjährigen Seriosität abzusprechen. Zumal das Sprach-Sampling nur Facette eines viel umfassenderen Programms ist: In "Ariel 15" geht um den Remix der eigenen Identität.

Wie Arielle, die Meerjungfrau, die aus Liebe das Meer verlässt, aber an Land nicht leben kann, ist das erzählende Ich in Hegemanns Text unrettbar verloren. Ständig konstruiert und zerstört es sich in einem inneren Analyseprozess, aus dem viele Stimmen zu sprechen scheinen (darunter eine Menge Pollesch-Sound). Das korrespondiert sehr wohl mit Werthers empfindsamer Seele. Denn auch bei ihm gibt es ein durchgehendes und ständig reflektiertes Infragestellen aller Aussagen. Auch hier beachtliches Stilisierungspotenzial. Wen liebt Werther mehr? Lotte oder die eigenen Gefühle? Und bringt er sich nun um aus Verzweiflung, oder ist das auch wieder nur eine Inszenierung?

Gelungenes Jugendtheater

Das "Deine Fassade beginnt zu bröckeln" genannte Hegemann-Goethe-Mashup für Fortgeschrittene ist ein seltener Glücksfall. Alter und neuer Text, männliche und weibliche Sichtweise spiegeln sich auf wundersam-selbstverständliche Weise ineinander. Jugendclub-Leiterin Anna Horn stellt in klaren Gruppenbildern oder verspielt-witzigen Arrangements ein ständiges Angebot an frei flottierenden Ich-Partikeln für zwölf Ariels und sieben Werther bereit.

Da quietscht sich eine anzüglich durchs Mäuschen-Register, und der andere rutscht sehnsuchtsvoll die Sitzlehne entlang. Sieben Werther drücken sich hinter die Stühle und beobachten überfordert auf- und abtauchend Lottes Verlobten Albert. Rasend komisch ein gemeinsames Sich-Einstottern nach einem Aufenthalt im Schweigekloster. Grotesk eine überdrehte Gesangsnummer wie aus einer kranken TV-Show. Rührend die Versuche, zärtlich zu sein. Einige der jungen Darsteller könnte man sich mit ihren schauspielerischen Mitteln bereits auf einer Stadttheaterbühne vorstellen, anderen sieht man einfach gerne als Typen zu. Schön, dass dieses Jugendtheater bei dem nicht ganz einfachen Thema ohne pädagogisches Zufüttern auskommt und so gut funktioniert.

Rheinische Rebellen
Rheinische Rebellen
(Fotos: Sandra Then)

28.3.2010 RITUAL IN TRANSFIGURED TIME (1946): Bewegte Speichermedien

Ritual of Transfigured Time

Ein Ritus wird zu einer Vorstellung, einer Aufführung. In Maya Derens "Ritual in Transfigured Time" beginnt alles mit Rita Christiani, die die Filmemacherin auf einem Webstuhl entdeckt. Maya Deren rollt Wolle ab und Christiani fängt die losen Fäden auf, während ein unnatürlicher Wind die beiden Personen umschmeichelt. Im Hintergrund wartet eine ältere Frau (Anaïs Nin) auf Christiani, die sich, ihrer Verspätung bewusst, immer wieder zu ihr umdreht. Kurios, dass es ausgerechnet in einem Film, in dem es keine natürliche Zeitabfolge gibt (Jump-cuts und Zeitlupeneffekte lösen das uns verständliche Zeitgefüge auf), so etwas gibt wie "warten" oder "Geduld". Dass sich Christiani in einem Film, der der Logik der Avantgardistin Maya Deren unterwirft, überhaupt verspäten kann, erscheint falsch, ist aber insofern verständlich, als dass die nächste Station Christianis ein gesellschaftliches Ritual ist, bei dem Pünktlichkeit, Korrektheit und Konformität erwünscht ist: Die nächste Szene zeigt Christiani, die Nin und unter anderen auch Gore Vidal auf einer Party. Die Gesellschaft reicht jeden Gast buchstäblich durch, aus dem dichten Gedränge auf engem Raum entsteht ein ungewollter Tanz der sich gegenseitig Begrüßenden und Entdeckenden. Hier ist es wieder Christiani, deren Tanz durch die Gesellschaft im Vordergrund steht. Aus ihr wird ein formell und gestisch festgelegtes Ritual schließlich zu einer nahezu künstlerischen Ausdrucksform: Der Tanz. Schließlich tanzt sie sich aus der Gesellschaft heraus, in einen Garten, in dem sie zusammen mit einem Mann eine schwerelose Choreographie bewältigt. Aus einem strengen, in seinem Verlauf voraus geplanten Ritus wird etwas Freies. Etwas Losgelöstes in die Welt aus Kunst und Ausdrucksart. Aus dem bloßen, sozial verständlichen, durch unsere Kultiviertheit enkodierbare Händeschütteln auf der Party wird ein Akt der Befreiung von solch Grenzen in Bewegung und Gestik. Wenn wir am Ende eine Choreographie, die sich nur um ihre eigene Ästhetik und nicht um die der Gesellschaft oder der Logik der Welt schert, dann ist die Wandlung der Bedeutung der Bewegung in Derens "Ritual in Transfigured Time" eindeutig. Derens Stummfilm ist vielleicht die bedeutsamste Verbindung zwischen dem Avantgardefilm und dem Tanzfilm. (http://www.mitternachtskino.de/)

Originaltitel: Ritual in Transfigured Time. USA, 1946. Regie: Maya Deren. Drehbuch: Maya Deren. Kamera: Hella Heyman. Schnitt: Maya Deren. Darsteller: Rita Christiani, Maya Deren, Anaïs Nin, Frank Westbrook, Gore Vidal. Schwarzweiß. 14 Min.


Mehr Bilder von Maya Deren und ein O-Ton über ihre Filme.

27.3.2010 Hegemann, Goethe und die Rheinischen Rebellen

(c) Sandra Then

Irgendwann zwischen quietschi­gem Teenietum und Erwachsenwerden begehrt das »Ich« auf und wirbelt das Leben völlig durcheinander. Die Hirnanhangdrüse meldet klare Signale an den Körper und in bestimmten Organen pulsieren zum ersten Mal die Östrogene und Testosteron: Man ist verknallt, im Liebestaumel und möchte da sein, ja wo denn eigentlich? Und plötzlich ist dann später jetzt.

»Identitätsuche, unerfüllte Liebe, Rebellion, das hat uns letztes Jahr schon sehr beschäftigt und deswegen haben wir uns für zwei Texte entschieden, die das thematisch hergeben«, erklärt die szenische Leiterin Anna Horn die neue Produktion »Deine Fassade beginnt zu bröckeln« des Jugendclubs Rheinischen Rebellen 2.0 am Kölner Schauspielhaus. Die Ansage: »Ariel 15« trifft auf den unverwüstlichen »Werther« beziehungsweise Nachwuchsautorin Helene Hegemann auf Goethe. Sowohl Hegmanns Theaterstück, dass sie selbst Kunstmärchen nennt, als auch der Briefroman sind innere Monologe zweier Figuren, die den komplizierten Weg des eigenen Erwachsenwerdens und der ersten Liebe leidenschaftlich rekonstruieren.

»Ariel 15« bezieht sich auf Hans Christian Andersens und gleichzeitig Walt Disneys Märchenfigur, die das Wasser verlassen musste, aber an Land nicht leben kann, bei Hegemann heißt sie Lisa. Lisa lebt in Berlin, geht zur Schule und verbringt ihre Zeit meistens mit Leuten, die deutlich älter sind als sie, ebenso die Frau, in die sie sich verliebt. Wie Werther fühlt Lisa sich überall fremd, verzweifelt an ihrer unerfüllten Liebe. Doch während sich bei Goethe die Sprache mit der Veränderung des Seelenzustands von Werther wandelt, jagen sich bei Hegemann von Anfang bis Ende knappe Statements über das Selbst: »Ich bin 15, ich bin erwachsen, ich bin abhängig.«

Es wird also kein Kinderspiel für die Rheinischen Rebellen, sondern eine echte Herausforderung, aus den verschiedenen Sprechweisen Figuren zu erschaffen und sich zu entscheiden, wieviel Kompromisslosigkeit diese aufbieten werden.

Ulrike Westhoff

25.3.2010 Schauspiel Köln

Kubusförmiger Bühnenturm:
rr20
hier gehts zur debatte in köln

08.3.2010 NEAR DARK (1987): Bewegte Speichermedien

Wenn jetzt Kathryn den Oskar gewinnt, dann wird die Welt vielleicht doch irgendwann gerecht. Aus der Zeit als Vampirfilme noch nicht wie Kinderschokolade schmeckten: Der Anfang von NEAR DARK, der origineller Weise in neun Teilen komplett auf youtube steht:

kathryn bigelow

NEAR DARK
written and directed by Kathryn Bigelow
In her first solo feature — a 1987 hillbilly vampire movie — she makes an impressive mark. Beautifully shot by Adam Greenberg, this alternately grisly and poetic horror picture begins as a love story, with its hero (Adrian Pasdar) meeting a sexy and spaced-out creature of the night (Jenny Wright) who travels with an extended family of bloodsucking weirdos. Kidnapped by this entourage, he becomes a sort of half vampire himself, hooked on the blood supplied to him by his vampire girlfriend but unwilling to commit carnage, while his father and kid sister try to track him down. This is on the whole a striking directorial debut, at once scary and erotic, with lots of sidelong touches in the casting, direction, and script (written by Bigelow and coproducer Eric Red). 95 min. (By Jonathan Rosenbaum)

02.3.2010 Setfotos KOMPLIZEN

Rheinische Rebellen

Rheinische Rebellen

Rheinische Rebellen

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10.2.2010 Helene Hegemann trifft Goethe: Die Proben für DEINE FASSADE BEGINNT ZU BRÖCKELN beginnen

RHEINISCHE REBELLEN 2.0
DEINE FASSADE BEGINNT ZU BRÖCKELN
ARIEL 15 (VON HELENE HEGEMANN) TRIFFT WERTHER (VON, ÄH, GOETHE)

Es beginnt, wenn die Gehirnanhangdrüse ein Signal an den Körper sendet, in bestimmten Organen verstärkt Geschlechtshormone herzustellen und ins Blut auszuschütten: Eine nicht aufzuhaltende individuelle oder kollektive Rebellion beginnt. Die bisher so geliebten Nachkommen analysieren den gegenwärtigen Zustand und rennen als Frühentwickler oder Spätzünder gegen Denken, Handeln und die Produkte ihrer Vorgänger an auf der Suche nach Freiheit; die sich zumeist als Stimmungsschwankung oder grauenhafte Laune herausstellt. Sie erneuern alte Kriege und stemmen sich gegen abgegriffen scheinende Ansichten und Verhältnisse der Gesellschaft. Hier bin ich! Hier. Jetzt. Ich. Nie wieder wird so unnachgiebig, wild und unbekümmert Widerstand geleistet. Aber der Weg ist voller Zweifel; daran führt nichts außer der Tod vorbei. Dabei kommt sich so mancher Heranwachsende eher alt als jung vor – Nachdem die Rheinischen Rebellen in der Spielzeit 2008/09 die meisten Texte selber schrieben und ausprobierten, was man auf einer Bühne mit Poesie und Literatur alles anstellen kann, widmen sie sich jetzt Texten von Helene Hegemann und J.W. Goethe. Geprobt wird die ersten Monate nach Geschlechtern getrennt, die Frauen proben Hegemann, die Männer Goethe, um die beiden Texte anschließend in einer Aufführung zu vereinen.

SPIELER LENI ALDERMANN / LISA ALTMEIER / JUDITH ALTMEYER / PHILIPP ARNOLD / DAVID DYBSKY / JULIA FISCHER / SARAH HEINRIGS / LINDA HOFMANN / JULIE LAUR / LILLI LORENZ / GREGOR MÜLLER / GEMINA PICHT / ANJA PREDEICK / FABIAN RINGEL / HANNAH RUMSTEDT / FERDINAND SCHNEIDER / TILMAN SINGER / MARIE-CHRISTINE STEEGMANN / MARIE JOSEFIN STUTE / ROLAND WERNING /// DRAMATURGIE JORGO NARJES / LENA SCHWEFER / ANDREAS WIßKIRCHEN /// KOSTÜM BARBARA ECK / LUISA HORN

SZENISCHE LEITUNG ANNA HORN / BÜHNE LENA THELEN / KOSTÜME SOPHIE MENDE



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02.2.2010 Wer es schafft: REVOLUTION NOW! von Gob Squad

Gob Squad

REVOLUTION NOW!
Eine Inszenierung unter realen Bedingungen
> Uraufführung Do, 4. Februar 2010 l 20 h
> Weitere Termine: 6. + 10.02. und 22. + 28.03. │ 20 h
> Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
> 6. – 08. Mai 2010 │ donaufestival Niederösterreich, Krems
> 30. Juni und 1. + 3. Juli 2010 │ Schauspiel Köln

Konzept: Gob Squad
Performance und Entwicklung: Johanna Freiburg, Sean Patten, Sharon Smith, Berit Stumpf, Sarah Thom, Laura Tonke, Bastian Trost, Simon Will
Musik-Arrangement und Live-Musiker: Christopher Uhe

Material zu REVOLUTION NOW!
Songtexte

Auszug: The Revolution Will Not Be Televised – Gil Scott-Heron
[...]
The revolution will not give your mouth sex appeal.
The revolution will not get rid of the nubs.
The revolution will not make you look five pounds thinner,
Because the revolution will not be televised, Brother.
[...]

Auszug: Invasion Hit Parade – Elvis Costello
[...]
Incidentally the revolution will be televised
With one head for business and another for good looks
Until they started arriving with their rubber aprons and their
butcher's hooks
[...]

Presse

„Plötzlich ist da nicht mehr Avantgarde, sondern Leben, nicht Programm, sondern Intelligenz, nicht mehr Getue, sondern einfach Theater, federnd, präzise, elegant, berührend, fremd, frech.“
Gerhard Stadelmaier, FAZ, 08/09/1997
„they’re smart“
The Herald, 03/08/1999
„Eigenartig aber sympathisch“
Wiener Zeitung, 30/04/2005
„das, was Gob Squad da machen und diese Musik, das alles ist so wunderschön, richtig und frei“
jetzt.de, 22/06/2006
„Gob Squad holen das Theater in den Alltag und den Alltag ins Theater“
Tobias Becker, Spiegel Online, 07/06/2008

Gob Squad: Die wahre Geschichte

Teil Eins: Die frühen Jahre
1992 Eine Gruppe langhaariger Studenten des Kunststudiengangs an der Trent University, Nottingham macht ihre erste Performance, um freien Eintritt zum legendären Glastonbury Musik-Festival zu erhalten. Sie brauchen einen Namen und nennen sich „The Gob Squad“ – nach einer Mix-Kassette, die zufällig im Transporter auf dem Weg nach Somerset läuft.

Teil Zwei: Auf dem Weg nach oben
1994 Die Gruppe entwickelt ihre erste professionelle Arbeit House in einem Sozialwohnungsbau der Stadt Nottingham. Sean Patten, Sarah Thom und Berit Stumpf bringen das Projekt auf den Weg, dem sich später auch Liane Sommers, Johanna Freiburg und Miles Chalcraft anschließen. Alex Large spielt im Garten einen Staubwedel-Vertreter. Das Projekt wird von dem jungen Kuratoren Simon Will für die Expo 94 mit einem Gesamtbudget von 400 Pfund in Auftrag gegeben.
1995 Ihren gesamten Verdienst aus ein bisschen Lehrtätigkeit geben Patten und Thom für einen Computer aus. Sie sind die ersten in ihrer (zugegebenermaßen runtergekommenen) Straße, die einen Computer besitzen, schreiben darauf das Konzept zu Work und übergeben es begeistert dem Leiter des NOW Festivals, Andrew Chetty. Später in diesem Jahr wird Work eine Arbeitswoche lang täglich von 9 – 17 Uhr aufgeführt. Diejenigen, die für die nächsten 5 Jahre Kernmitglieder der Gruppe sein sollen, arbeiten zusammen an dem Projekt: Freiburg, Large, Patten, Sommers, Stumpf, Thom. Miles Chalcraft arbeitet ebenfalls mit.
1996 Die Gruppe, die jetzt im Kollektiv an Konzept, Ausstattung, Planung und Ausführung ihrer Projekte arbeitet, produziert An Effortless Transaction, das in einem Möbelgeschäft im Broadmarsh-Einkaufszentrum in Nottingham aufgeführt wird.
1997 15 Minutes to Comply wird in einer unterirdischen Straßenbahn-Haltestelle auf der documenta X präsentiert und macht die Gruppe über Nacht bekannt. Das erste Gob Squad-Büro öffnet in Nottingham. Die erste Website und Visitenkarten werden produziert. Close Enough to Kiss tourt durch England und Deutschland.

Teil Drei: Ruhm und Reichtum
1998 Martin Cooper, ein Tontechniker, wird angeworben, am Soundtrack von Calling Laika zu arbeiten. Das Projekt wird am TAT Frankfurt unter den wachsamen Augen des Impresarios Tom Stromberg produziert. What Are You Looking At? hat auf der berlin biennale Premiere und für ein paar ungestüme Tage werden Gob Squad zum Stadtgespräch.
1999 Simon Will tritt der Gruppe bei. Während des Probenprozesses zu Safe versuchen sich die Mitglieder an Rock-Instrumenten. Nach wochenlangen Mühen wird „Rockin’ All Over the World“ auf der Kampnagel-Premiere in Hamburg gespielt. Der Großteil der Gruppe lebt jetzt in Berlin und wird auf Einladung der Kuratorin Aenne Quiñones Artist-In-Residence im Podewil, Zentrum für zeitgenössische Kunst. Christina Runge, noch Studentin der KulturArbeit, übernimmt die Administration. Little White Lies, eine einmalige Performance für Live- Publikum und Radio-Übertragung, wird an der Akademie der Künste präsentiert.
2000 Trotz Hilfe in letzter Minute durch Sounddesigner Sebastian Bark, ruft Say It Like You Mean It bei der Premiere gemischte Reaktionen hervor. Where Do You Want To Go To Die?, eine Video-Installation im Minibus, wird für die Expo 2000 Hannover produziert und auf dem Gelände vor dem Deutschen Pavillon aufgebaut. Kurz nach der Eröffnung wird das Stück von den Organisatoren abgesetzt, da sie eine schlechte Publicity fürchten, nachdem ein Besucher im Gebäude zu Tode gestürzt ist.

Teil Vier: „Ch… Ch… Changes“ (Veränderungen)
2001 Safe tourt durch die USA. Dies sind die letzten Aufführungen, da sich Liane Sommers und Alex Large entscheiden, die Gruppe zu verlassen, um Solo-Karrieren in der Musikvideo-Industrie zu verfolgen. Die übrigen Mitglieder schließen sich erneut mit Miles Chalcraft zusammen und schlagen eine neue Richtung ein, sie arbeiten mit Internet-, Telefon- und Video-Technologie an The Great Outdoors.
2002 Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt jetzt deutlich über 30. Journalisten haben aufgehört, das Kollektiv als „junge Künstler“ zu bezeichnen. Für Room Service fragt die Gruppe den Film- und Fernsehschauspieler Bastian Trost und die amerikanische Performance- und Videokünstlerin Elyce Semenec, an dem Projekt mitzuwirken. Auch Sounddesigner Jeff McGrory arbeitet zum ersten Mal mit Gob Squad. Die Neuorientierung zeigt Wirkung und Room Service wird als großer Erfolg verzeichnet.

Teil Fünf: Welt ohne Grenzen
2003 Das Gob Squad-Büro zieht in einen ehemaligen Parfüm-Laden in Berlin-Mitte um. Nach und nach füllt der Kalender sich mit Room Service-Gastspielen. Die Gruppe verbringt die beiden heißesten Wochen, die Großbritannien seit Jahrzehnten erlebt hat, auf den mit Wodka, Kriminalität und Erbrochenem gepflasterten nächtlichen Straßen von Nottingham. Leicht bekleidet, mit Video-Kameras in der Hand, drehen sie improvisierte Filme mit Passanten. Diese Ausbeute wird sich später zu Super Night Shot entwickeln, dessen Premiere am Prater der Volksbühne Berlin im eiskalten Dezember stattfindet. Bastian Trost tritt der Gruppe bei und wird das erste Gob Squad-Mitglied, das jemals eine Schauspielschule besucht hat.
2004 Nach jahrelangem Touren durch Deutschland, Großbritannien und einen Großteil Europas, ist nun die Zeit gekommen, die letzte Grenze zu erobern: Frankreich. Festivals überall im Land zeigen Interesse an den Arbeiten der Company. Die Arbeit an Prater-Saga3: In diesem Kiez ist der Teufel eine Goldmine beginnt. Gob Squad beenden das Jahr mit einer Party zum zehnjährigen Jubiläum und einer riesigen Torte.
2005 Noch etwas verkatert von der zehnjährigen Jubiläumsparty, beginnen Gob Squad die nächste Dekade mit ihrer Arbeit an King Kong Club – einer Art Maskenball, dessen Dresscode ein Gorillakostüm ist. Nach der Hamburger Premiere gehen Beschwerdebriefe bei einer lokalen Zeitung ein, weil ein zehnjähriger Junge – anonym im Affenkostüm – angeblich in einer simulierten Orgienszene mitgewirkt habe. “Ich dachte, es handelte sich um einen kurzgewachsenen Mann”, erklärte Sean Patten der beunruhigten Theaterleitung. In Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Robert Shaw wird erstmals von Gob Squad ein halbstündiger Film, von drei Kameras gerade erst aufgenommen, am selben Abend vor Publikum live editiert und mit Voiceover versehen zur Aufführung gebracht. Super Night Shot wird zum erfolgreichsten Stück in der Geschichte von Gob Squad und beginnt seine Tour u.a. in England. Außerdem beginnt für Gob Squad in diesem Jahr eine Zusammenarbeit mit Tomas Zierhofer, der plötzlich bei einer Hamburger Aufführung erscheint und verspricht bei dem von ihm kuratierten donaufestival in Niederösterreich, alles von Gob Squad zu zeigen, was es im Repertoire gibt. Über die Jahre soll sich dieses Versprechen tatsächlich einlösen. Zum ersten Mal seit Bestehen der Gruppe leben nun alle Mitglieder in derselben Stadt: Berlin. Bill Gee, Gob Squads UK Manager, verlässt seine Position aufgrund einer Liebe in Australien. Ayla Suveren nimmt seinen Platz ein und erobert neues britisches Terrain.
2006 Ein Mann vom Kulturprogramm der Fußball-WM (die in diesem Jahr in Deutschland ausgetragen wird) ruft im Gob Squad Büro an und bietet einen sechsstelligen Betrag für einen Event beim Endspiel im Olympiastadion. Er meldet sich nie wieder und alle Versuche, den Auftraggeber ausfindig zu machen, sind vergebens. Im Prater der Volksbühne hat Me, The Monster Premiere – eine Videoperformance, die ihr Publikum in verschiedene Monstertypen einteilt, die wie Labormäuse mit der Kamera live studiert und charakterisiert werden. In Brasilien wird eine Gruppe aus Schauspielern, Tänzern, Storytellern und DJs aus São Paulo und Rio rekrutiert und “Os Recrutas do Gob Squad” formiert sich. Nach dreiwöchigem Training auf den Straßen der südamerikanischen Megastädte wird eine Version von Super Night Shot in portugiesischer Sprache mit brasilianischem Einfluss präsentiert – so schillernd, schrill, tragisch und unvorhersehbar wie das Leben auf den Straßen dieser Städte selbst. Bei der Premiere in Rio wird von Seiten der korrupten und berühmt berüchtigten Polizei mit Festnahmen gedroht, da das Tragen von Unterwäsche (für das Finale notwendig) im öffentlichen Raum angeblich illegal sei. In letzter Minute wird ein Kurier vom British Council HQ mit dem Kauf von Bikinis beauftragt, die in der Strandstadt komplett legal sind, versteht sich.
2007 Das Jahr beginnt mit einem Gastspiel von Super Night Shot in Québec mitten im tiefsten kanadischen Winter. In der Gefriertruhe wird im Vorfeld getestet, ob die Kameras den Minustemperaturen von bis zu 25° unter Null standhalten. Trotz großem Bangen, ob Performer und Kameras die Widrigkeiten überleben werden, kommen alle heil im Theater an und die Show kann beginnen… Inspiriert von den frühen Filmen Andy Warhols beginnen die Arbeiten zu Gob Squad’s Kitchen. Das Performerpool erweitert sich um Filmschauspielerin Laura Tonke und Tänzerin/Performerin Sharon Smith, sowie Akademikerin Nina Tecklenburg. Es gibt nun ebenso viele Babies in der Gruppe wie Erwachsene und Probenarbeiten erweisen sich alsgrößere Herausforderung mit herum rollenden Kleinkindern, die sich in Kabeln verheddern, Stecker ziehen und im Set gewindelt werden. Mit Ende des Jahres beginnen Gob Squad eine Welt zu erobern, an die man nicht einmal im Traum gedacht hatte – das Stadttheater. Die neue Künstlerische Leitung des Schauspiels Köln bucht gleich ein ganzes Paket von Gob Squad Gastspielen – u.a. auch die bis dahin untourbar geglaubte Prater Saga 3 – die von nun an im Kölner Repertoire gezeigt wird. Kitchen wird ebenfalls zum Exportschlager und spielt im Repertoire der Volksbühne im Prater – stets vor ausverkauftem Haus.
2008 Das Jahr beginnt mit der Arbeit an dem bis dato technisch ambitioniertesten Projekt und ungeahnten Herausforderungen für das gesamte Team – Saving The World. Die grundlegende Idee von sieben synchronisierten Videokameras, deren nahtlose Aufnahmen ungeschnitten zu einem Panoramafilm der Gegenwart werden, ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch nicht ohne Tücken. Bei der Berliner Premiere stürzt ein Computer ab und bringt Videotechniker Martin Cooper ins Schwitzen: Per Hand muss er vor anwesendem Publikum gleichzeitig zwischen 7 Kameras jonglieren, bis die Synchronität wieder hergestellt ist. Super Night Shot tourt nach Sibirien, wo die Gruppe an einem Tag sieben Interviews an lokale Fernsehsender gibt – was wenig Zeit lässt für die eigentlichen Vorbereitungen der Show. Es gibt kein heißes Wasser in der ganzen Stadt, der Veranstaltungsort hat kein funktionstüchtiges Abspielgerät, und der Künstlerische Direktor befindet sich in einer endlosen Partie Schach und ist daher nur bedingt in der Lage, die wachsenden Probleme in den Griff zu kriegen. Die Aufführung wird dennoch zum Riesenerfolg und das Darstellerteam zu den Stars des Tages.
2009 Der Gob Squad-Tourkalender füllt und erweitert sich beständig – ebenso der Pool an Performern und die gesamte Belegschaft. Gob Squad schaffen es inzwischen, mit verschiedenen Produktionen an zwei bis drei Orten gleichzeitig zu sein. Dafür sehen die Gruppenmitglieder sich fast nur noch an Flughäfen und Bahnhöfen. Nur kurze Zeit nach einem Gastspiel von Kitchen in Singapur und einem sagenumwobenen Filmkuss zwischen einer Performerin und einer Zuschauerin verliert der Künstlerische Leiter des Theaters seinen Job.

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