was beschäftigt vilém? was treibt ihn an!
- mich interessieren die medienwechsel. aber warum eigentlich?
- schreiben zum publizieren? - schreiben zum entwickeln!
/// es ist 19:42h geworden. konnte keine notizen machen während dem seminar (bis 16h). ich hätte ALLE texte lesen müssen. heute kamen die nächsten. himml. wie auch immer. ich fantasiere also einfach stur weiter, nach den heute reingezogenen irritationen:
vilém wird 1920 in prag geboren. jüdische akademikerfamilie. vater mathematikprofessor. mit 18 will er studieren. vielOh!sofWie? 1939 muss die familie abhauen. flüchten. er heiratet. lebt in london. emigriert nach brasilien. bekommt einen lehrstuhl für kommunikationstheorie. wird professor für kommunikation. 1972 flieht die familie nach meran. stirbt nach einem vortrag in einem autounfall 1991. 71 jährig.
er erlebt, wie der marxsche sozialismus in den stalinismus rast. wie der nationalismus zum faschismus wird unter den nazis. wie die militärregierung in brasilien sein leben bedrängt. in dieser zeit etabliert sich das radio (nicht der funk), das fernsehen (nicht das video). ist es überraschend, dass da einer in panik gerät? nein. es ist überraschend, dass er so alleine ist damit.
vilém flusser. kommunikologie. vorlesungen in frankreich. 1977. (Vorlesungen „Comment notre crise existentielle se manifeste“ am Relais Culturel d'Aix-en-Provence „Curs de la theorie de la Communication“ an der École d'Art et d'Architecture in Marseille-Luminy). er beginnt die vorlesung mit einer
absichtserklärung(links & hervorherbungen durch sms)
(...) eine neue gesellschaftsform ist im entstehen, die sich nicht mehr auf arbeitsteilung, sondern auf botschaftssteilung aufbaut - eine gesellschaft, bei der die massenkultur den empfänger von irradiierten (lat. ausstrahlen, sms) botschaften und eine schicht von programmatoren den sender von botschaften darstellt. ein solcher nicht pyramidaler, sondern amphiteatralischer totalitarismus, also ein postindustrieller faschismus, bedeutet ästhetisch massifizierenden sensationalimus, ethisch stereotype verhaltensmodelle und epistemologisch die passive aufnahme ad hoc vorbereiteter informationen.
so wie die technologie ist auch die kommunikologie an sich "wertfrei". sie kann sowohl diesem aufkommenden postindustriellen faschismus dienen als auch der gefahr bewusst machen, die er darstellt. in dem mass aber, in dem das establishment die kommunikationsschule in die hand nimmt, wird die wertfreiheit der kommunikologie fraglich, und gewissenkonflikte, welche denen von technologen wie oppenheimer ähneln, werden unvermeintlich. in dem mass, in dem die ministerium für kultur zu ministerien für "kommunikation und kultur" werden, in dem also geisteswissenchaftler und künstler offiziell zu kommunikkologen werden (und das ist ein unvermeidlicher prozess), in dem mass wird die kommunikologie zu einem werkzeug zu bewussten und absichtlichen vermassung und entpolitisierung. die krise der kunst (das heisst, dass sie elitär ist und daher arbeitslose hervorbringt) wird gelöst, indem man die kunst in den kommunikationsapparat (in tv, kino, presse, propaganda usw.) einbaut. (...)
einige kommunikationsstrukturen (inhaltsverzeichnis): theaterdiskurse, pyramidendiskurse, baumdiskurse, amphitheatheaterdiskurse, kreisdialoge, netzdialoge | funktionieren: theater & kreis, pyramide & baum, amphitheater & netz | drei charakteristische situationen: gedruckte bücher, manuskripte, technobilder
der sensationelle architekturführer wies noch die dreierschritte hin, im moment, wie in eine kirche geschritten wird: ich fantasiere mir das jetzt mal so zusammen:

wanderte ein bauer zum kölner dom, sah er diesen 1) schon mind. den halben tagesmarsch vor sich aufbauen. dann 2) die tiefe leibung der türen. die evangelisten und grossen menschen begrüssten den wanderer. und schliesslich 3) das abtauchen in den überweltigenden innenraum.
bei den ersten büchern, wurde die ab_scheu vor den grossen, dicken, schweren büchern 1) durch grosse zeichnungen und ausschmückungen des ersten buchstabens 2) abgefangen. bevor schliesslich der in bildern gewohnt zu denkende mensch, vom text 3) verschlungen werden konnte.
auch noch unser buch - in der zeit des publikationszwangs gedruckt - umfasst noch die obligaten drei kapitel. seit augustinus legen wir bekenntnisse ab über unsere sicht in die welt, über unsere sicht in den abgrund der eigenen seele und wie wir gedenken, all dies in abgleich mit der heiligen schrift zu bringen.
es wird mir noch eine weile am _vilém_flusser_archiv nicht langweilig werden: die letzte to2 list ;-| übersicht: berlin 24.10.2009 - 23.03.2010









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