NZZnachlese von rebell.tv

währen ich hier spontane eindrücke festhalte, VOR(läufige be)URTEIL(ungen) vornehme, mir selbst zeige, was ich sehe - und hinweise bekomme von anderen, welche mir zusehen, beim hinsehen und - als beobachter des beobachters - anderes sehen... macht es doch einfach riesig viel spass, am morgen eine iht.com oder eine nzz.ch neben dem kaffee stehen zu haben. und nachzulesen... (wie würde wohl werbung für die *grossen* zeitungen aussehen, wenn diese sich nicht an 20min oder heute (um kleinstadt helvetien beispiele zu machen) orientieren täten? wie auch immer:

nicht in der der online-ausgabe von nzz findet sich folgender titel auf seite 3 (internationales):

kritik an der rede des papstes in ausschwitz
die deutschen - opfer der nazis?

ein kleiner artikel. aber oho! eine längere passage aus dem wortlaut der rede des papstes, welche natürlich auch beim karl ratzinger auf der hp zu haben ist: hier. afp wählte folgendes zitat (hervorhebung sms)

Es war und ist eine Pflicht der Wahrheit, dem Recht derer gegenüber, die gelitten haben, eine Pflicht vor Gott, als Nachfolger von Johannes Paul II. und als Kind des deutschen Volkes hier zu stehen – als Sohn des Volkes, über das eine Schar von Verbrechern mit lügnerischen Versprechungen, mit der Verheißung der Größe, des Wiedererstehens der Ehre der Nation und ihrer Bedeutung, mit der Verheißung des Wohlergehens und auch mit Terror und Einschüchterung Macht gewonnen hatte, so daß unser Volk zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und mißbraucht werden konnte.

und zitiert dann el mundo, el pais, liberation, la croix... sensationell... DAS ist dienstleistung... genial. es kommt dann ein verweis auf einen weiteren artikel im feuilleton, welcher nun online zu beziehen ist: hier.

jan-heiner tück erzählt nun aber wesentlich sanfter über diesen nachmittag:

Falls der Papst andeuten wollte, dass nicht alle Deutschen Nazis waren, so hat er dies in einer Formulierung getan, die für manche Ohren eine entschuldigende Note hat. Bemerkenswerter waren die theologischen Fragen, die sich Benedikt angesichts des Grauens aufdrängten: Wo war Gott in Auschwitz? Warum hat er geschwiegen? Wie konnte der Triumph des Bösen geschehen?
mit andern worten: er übergeht die passage nicht nur sehr salopp, sondern platscht direkt ins nächste fettnäpfchen. über diese simplifizierenden huch!theologischen fragen habe ich mich am nachmittag selbst am meisten geärgert. gerde dies sind KEINE theologischen fragen. das sind plumpe abschiebungsargumente. da wird plötzlich gott verantwortlich gemacht für anliegen, welche die menschen regeln sollten... tück erzählt dann, wie ratzinger die fragen beantwortet habe... mit psalm 44 und so... (hervorhebungen sms):
Dieser Ruf «Wach auf, Gott» müsse zugleich eine Erneuerung der Herzen einschliessen, es gelte die verborgene Gegenwart Gottes im Innern wachzuhalten, um der schleichenden Macht von Egoismus und Indifferenz gegenzusteuern. Auch heute sei es wichtig, gegen den Missbrauch des Gottesnamens zur Rechtfertigung von blinder Gewalt anzugehen und einen gottverachtenden Zynismus rechtzeitig zu bekämpfen.

spätestens hier wäre eigentlich klar, dass die formel "wach auf, gott"? eigentlich meint: "handle, mensch"!

hat jener papst, welcher als sohn eines volkes von opfern die stillen lämmer der kirche geführt hat, nicht für das verfehlen der kirche während der nazi-zeit entschuldigt? (finde auf die schnell nur diese zwei hinweise aus sehr unterschiedlichen ecken... beide scheinen zu bestätigen, dass woityla sich bei den juden entschuldigt hat: erster und zweiter: "mea culpa" von papst wojtyla: durch schweigen schlimmeres verhindert?

Offensichtlich unterschätzt der kritische Theologe die Romkirche. Denn in einer dpa/eu-Meldung vom 12.11.97 wird versucht, diese These, Papst Pius XII. habe durch sein Schweigen nur Schlimmeres verhindern wollen, zu untermauern. Und das klingt dann so: Auf einen vergleichbaren Protest des damaligen holländischen Erzbischofs hätten die Nazis mit einer Strafdeportation von Juden reagiert. Das behauptet heute jedenfalls der niederländische Kardinal Simonis: "Die Rache der Deutschen für diese Kritik habe den Papst so schockiert, daß er seinen Protestbrief zerrissen habe. Die Haushälterin des Kirchenoberhaupts, Schwester Pasqualina, sei dabei gewesen und habe es später einer Freundin im holländischen Kolleg in Rom erzählt."

Sicher ist: Pius XII. als höchste moralische Autorität unterstützte den Protest der holländischen Bischöfe nicht. Was aber wäre geschehen, hätte er öffentlich protestiert? Denn: In Budapest war kirchlicher Protest erfolgreich: Dort rettete der wiederholte Protest des dortigen Nuntius tausende Juden vor der Ermordung. Wenn nun bereits ein Nuntius solches bewirken konnte, was wäre dann der Weltautorität für Ethik und Moral, dem römischen Papst, möglich gewesen?

... warum konnte ratzinger sich nicht entschuldigen, wenn er doch sagen konnte:

Papst Johannes Paul II. stand hier als Sohn des polnischen Volkes. Ich stehe hier als Sohn des deutschen Volkes, und gerade deshalb muß ich, darf ich wie er sagen: Ich konnte unmöglich nicht hierherkommen. Ich mußte kommen.

er hätte doch sicher auch sich entschuldigen dürfen, wenn er gewollt hätte. odr? - das bestätigt aber die die eindrücke der medien aus spanien und frankreich nur noch mehr. odr? himmel... hier gehts zurück zu den notizen vom sonntag nachmittag:


übrigens: das verkehrt herum geschweisste B... als hinweis, dass an diesem spruch was verkehrt ist... GENIAL ;-) so deutlich kann widerstand im versteckten sein...