prof. dr. andrea back fragt. meine antwort. ähm...

- was meinen wir mit "wissen"?
das "konzept" wissen, scheint sich gewissermasen verengt zu haben auf das konezpt von trennen und teilen. in der "neugierologie" (von förster) der wissenschaft hat sich die neugier auf logos konzentriert. wie das "grunzen&schnalzen" (grossväterchen karlheinz) der menschen in ein winziges set von buchstaben abgefüllt werden kann, wurde alless was einem für wahr nehmbar schien in 0 und I getrennt und geteilt. die lächerlichkeit dieses konzepts ist längst durchschaut, scheint aber erst in diesen tagen sichtbar zu werden. logo: nachdem wir den horror dieses konzeptes zu erahnen beginnen...

1.) die unterscheidung 0/I (sadie plant) ist nicht nur einfach. auch nicht bloss viel zu einfach. sondern umstandlos vulgär: weil nach polaritäten tag/nacht, ein/aus, rein/raus (umberto eco)... also... das loch und der ständer... hallo? wer erfindet all diese konzepte? eben... nein! weiter:
2.) es fällt auch auf, dass die unterscheidung 0/I so sensationell scharf ist, dass sich dazwischen unendliche löcher auftun. der abstand zwischen 0 und I ist tatsächlich immens. riesig. eigentlich unendlich.

kurzum und definitiv (zwei beispiele müssen hier genügen:) wenn das konzept "wissen" auf trennen/teilen reduziert ist, bleibt es schwachsinnig. das heisst: es hat bloss schwachen sinn! (was freilich nicht heisst, dass es nicht unfassbar wirkungsmächtig genutzt werden kann. nei!nein: durchaus auch mit den waffen einer frau... ;-)

- von der neugierologie zur neugieronautik
dass information-overkill ein problem sein soll, ist eine mär, welche eigentlich von einem professionellen floppologen wie horx nicht zu linear kolportiert werden sollte: seit menschen menschen sind, ist "information-overkill" der normalfall. wie wir mit diesem "wissen, dass wir nicht wissen", bzw. wie wir mit dieser unmöglichkeit umgehen, auf unser tatsächliches immer-schon-wissen, mit bewusstem nicht-wissen reagieren können... (welche kulturform ist eigentlich dem digitalen überschusssinn gewachsen, dirk baecker?) noch ein drittes mal frisch angesetzt: wie wir verANTWORTung (fritz b. simon) übernehmen für unser immer-schon-wissen, unser wissen also zurück tragen in kommunikative prozesse: DAS ist er punkt. das ist DIE herausforderung. als hätte ich geahnt, dass ich diese frage JETZT zu beantworten habe: hier die begegnung mit fritz b. simon, heute morgen in berlin:


zu begegnung mit fritz b. simon: sei ein held, lass dich verheizen!
| der horror der sog. wissensgesellschaft kommt völlig anders zu wege: wenn die produktion von wissen (durch die prozessierung von daten zu informationen) ins massenhafte läuft, zerfällt - der logik des religiös gewordenen kapitalismus - zufolge auch der preis. und wenn die herstellung von wissen keinen preis mehr hat, zerbröselt nicht nur die berechtigung ein professorales gehalt zu beziehen, sondern noch ganz anderes. kurzum:

wenn die preismodelle des wissens pulverisiert werden, dann werden hierarchien nicht flacher, sondern drehen vollends durch, werden irrational, ver-rücken: dann drücken die einen rote knöpfe und die anderen ziehen als "elektrisierte reporter", "nackt vor der kamera", durch die welten und beide "sorten" spielen (als self-brand-manager den) helden... darum ginge es ja. in einem post-heroischen management! (wenn ich das richtig verstehe ;-)

(...)

dazu passte eigentlich auch unser s.w.i.r. an der royal academy of arts in london: "joseph beuys nightmare" | habe ich nicht bei dir einmal den text verlesen: "was kommt nach dem information overkill?" (ca. 2001?) meine antwort ist in all den jahren gleich geblieben:

- die welt ist ein gespräch
die welt ist nicht wie sie ist. sondern so, wie wir uns über sie verständigt haben und diese nicht anders lassen. es wären ganz andere welten möglich. die welt, liesse ganz andere welterfahrungen zu. aber eben... sogar blinde sehen, wem es nützlich ist, dass wir innovation hecheln und dabei stabilisieren, was betoniert ist. wer stets neues in die welt schaufelt, produziert insbesondere abfall. zygmunt bauman könnte davon erzählen, auf was sich dieses abfall-werden auch noch beziehen wird...
ok. das ist jetzt alles ein bisschen arg schnell eingetippt. was? abernu: voreiligkeit scheint derzeit ein brutal gut funktionierendes rezept zu sein... und dort ist es auch allen egal! so what? - ein andermal in grösserer langsamdenklichkeit ;-)