textsorte: blitz | was so lange heiss diskutiert wurde, ist längst eingetroffen: das interaktive fernsehen ist da. es heisst facebook. während die öffentlich-rechtlichen ihren intellektuellen totalkonkurs mit allen tricks der modernen werbung im ganzen land verkünden lassen - und doch nicht gehört werden! - ist es doch wesentlich unterhaltsamer "seinen freunden" (und Innen) einen abend lang auf facebook zu folgen... es ermöglicht gemeinschaftserlebnis, bei gleichzeitiger abstimmung auf eigene interessen. asynchrone kommunikation machts möglich. many2many als novum. prima.

weiss gar nicht was passiert ist, dass ich mich ein zweites mal mit facebook habe zu beschäftigen begonnen. wie das ding gekommen ist, hat mich einfach genervt, dass ich keine url pro eintrag habe. allein damit wurde mir das ding unsinnig. vielleicht weil ich dieses missverständnis verstanden habe, ist mein interesse noch einmal gekommen. habe dann das tool der "gruppe" ausprobiert und dort grad wieder die lust verloren. (insb. weil facebook so deutlich zeigt, was sie unter einer "dikussion" versteht.) aber auch weil...:

suprLustig in den letzten tagen aber die "dialoge" beim adden von "freundInnen". mich überrascht immer wieder der grad der andigitalismus (das wort "analphabetisierung" ist bekannter, aber das war ein problem vor ca. 150 jahren | so wie das wort in beats biblionetz beschrieben ist, könnte heute wohl differenzierter gemacht werden (def. von 1979!!!). "lesen, schreiben, rechnen" der bildungskanon der aufklärung. "plus stillsitzen und gehorchen" der bildungskanon der industrialisierung. immer mal wieder: robert kurz: "das licht der aufklärung wurde zur beleuchtung der nachtschicht" ;-) wo war ich? ahja:

da bekommt ein jemand eine anfrage zu einer freundschaft und fragt jetzt: "wer bist du?" das ist ja schon mal hammerhaft. 3000 jahre vielOh!sofWie?geschichte für den müll. massive akademisierung, zertifizierung und ects-punkte selbst zum lernen twittern: null auswirkungen... total wirkungslos... will sagen: die geisteswissenschaftlichen abteilungen landauf- landab: einfach schliessen. (aber achtung: nicht, weil sie nichts nützen. ganz im gegenteil. gerade weil diese akademischen disziplinen offenbar so sensationell disziplinieren, dass die menschen gerade mit und durch die geisteswissenschaftliche bildung so festgezurrt werden: gerade eben weil sich die akademische vielOh!sofWie? sich der verwendbarkeit an den busen geworfen hat: gerade deshalb: einfach aufhören. einfach abstellen. 200 jahre sind genug! wenn nicht einmal schulz von thuns lesebüchleins zur einführung in die kommunikation zum jederzeit abrufbar gewordenen bestandteil der alltäglichen gespräche werden kann: noch einmal: einfach aufhören!

und dann wäre da noch die beobachtung der professionellen journalisten in facebook. auch sehr ergiebig... wie subtraktionisten sich da bewegen ist sensationell. habe aber erst zwei kategorien. die einen, welche stark adden und auf ihre artikel hinweisen und jene, welche sich ins getümmel stürzen und dort ihre souveränität verlieren. dazwischen habe ich erst einen anderen. da wären riesige felder der forschung möglich. wer lesen kann, könnte ablesen und ernten. aber es gibt keine ackerer, bloss erbsenzähler :-(wo war ich? ahja:)

was passiert da, wenn ein (offensichtlich) gestelltes foto von spielenden polizisten in facebook hunderte von kurzkommentaren auslöst. über tage und wochen findet das bild immer wieder seine freundInnen. was ist das? oder oettinger. sein englisch. (wo es doch völlig klar ist, dass es nicht sein englisch sein kann. weil wer auch bloss ein bisschen über die stadtmauern hinaus kommt weiss, dass "broken english" längst zur weltsprache geworden ist. ist es fremdschämen? ist es eigenschämen, weil so manchem der deutsche akzent im englischen anzuhören ist? was geht da ab?


frühere hinweise zur interpretation...
| ist es zufall, dass jetzt grad diese beide themen stark diskutiert wurden? (weil ichs ja nicht empirisch geprüft...:) was sagt es über mich aus, dass ich gerade diese zwei beispiele gefunden habe? | irgendwie driftet mir alles auf das thema des zusammenbruchs europas hin:

denn die beiden themen würde ich "lesen" als verlust von "identifikation" (hinweis wagner in reset). verlust in identifikation mit der PTT (oder anderen leistungen des "service public" sind das eine. der verlust in eine parteipolitische zuordnung wohl gar ein segen. verlust von identifikation in die polizei hingegen, dürfte dramatisch sein. auch hier: reisen hilft! bsp: noch wechseln wir nicht die strassenseite, wenn uns polizisten begegnen... wohl auch jene nicht, welche sich in facebook outen als erfahrene linien ziehende. und: wenn politiker der exekutive bloss noch zu projektsflächen werden, dem gedüdel von "leistungsträgerschaft" eins zwischen die beine zu geben: autsch! das tut weh und dürfte höchst ungesund sein! | übersicht: berlin 24.10.2009 - 23.03.2010