soll gestern auf seite 1 der faz gedruckt worden sein: hervorhebung durch sms
Staatsauftrag im Internet
Von Holger Steltzner
Mit Macht und Geld drängen ARD und ZDF ins Internet. Die öffentlich-rechtliche Expansion in das neue Medium wird von Landespolitikern wie dem Ministerpräsidenten Beck aus Rheinland-Pfalz unterstützt. Scheinbar sorgt er sich um die "Qualität" der elektronischen Medien. Tatsächlich möchten er und andere Politiker auch im Internet in der ersten Reihe sitzen, so wie in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF. Finanziert wird das Ganze aus Zwangsgebühren, die Jahr für Jahr steigen, weil die Sendeanstalten ihre Finanzwünsche einfach selbst ermitteln. Dieser sich selbst nährende Kreislauf hat mit 7,5 Milliarden Euro jährlich den mit Abstand teuersten Staatsfunk der Welt geschaffen.
Das Internet bedroht die vormals feste Struktur gegenseitiger Abhängigkeit aus TV-Aufsicht und TV-Auftritt. Immer weniger Leute gucken Staatsfernsehen, vor allem junge Menschen nutzen stärker das Internet. Ähnlich geht es Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, die darunter leiden, dass junge Leute seltener zu Zeitung oder Magazin greifen. Deshalb sind Verlage schon länger im Internet mit anspruchsvollen Nachrichtenportalen vertreten, um dort nachwachsende Leser zu erreichen. Mit publizistischem Erfolg, wie hohe Nutzerzahlen auch für journalistisch hochwertige Portale belegen. Doch ohne wirtschaftlichen Erfolg, weil im Internet für Nachrichten kein Geld bezahlt wird und die Werbekundschaft lieber für Anzeigen in der Suchmaschine bezahlt.
Angesichts des schnell steigenden Altersdurchschnitts der Zuschauer von ARD und ZDF ist es verständlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ebenfalls im Internet vertreten sein wollen. Das sollen sie auch dürfen, aber nur mit programmbegleitenden Texten. ARD und ZDF aber wollen mehr. Sie planen ein umfassendes Angebot: die geschriebene Reportage zum Fußballspiel, die Analyse samt Leitartikel zur Wahl. Das geht weit über den Programmauftrag für das Fernsehen hinaus. Aus guten Gründen gibt es keine öffentlich-rechtliche Zeitung; aus denselben Gründen sollte es auch im Internet ein staatliches Nachrichtenportal nicht geben. Die Verlage könnten gegen ein solches mit Gebührenmilliarden finanziertes Angebot nicht gewinnen. Sie fordern gleiche Chancen für alle. Wenn deutsche Politiker dafür nicht sorgen, muss sich die EU-Wettbewerbskommissarin darum kümmern.
Text: F.A.Z., 07.06.2008, Nr. 131 / Seite 1
andere schurnalisten wüssten anderes... |
peh in einem steh-greif kommentar vor einer woche... | haha: stimmt:
dieser artikel aus der gleichen zeitung wäre ja noch VIEL besser:
Die Krise des Journalismus ist die Krise von Eingebildeten der Medienbranche
Dass sie von Journalismus nicht mehr verstehen als von der Psyche ihrer Frauen oder Geliebten, ist ihnen nicht vermittelbar. Dass sie ohne uns nichts weiter wären als mehr oder weniger begabte Manager, die niemand kennt, erstaunt sie. Also muss es ihnen gesagt werden. Die eigentliche Krise des Journalismus ist die Krise von Eingebildeten der Medienbranche, doch werden die agierenden Supermarios nie zugeben, dass sie überall besser aufgehoben wären als da, wo sie sind - oder noch sind.
Keine Macht den Drögen: das war mal selbstverständlicher Konsens, egal, aus welcher politischen Ecke der Wind über die publizistische Landschaft wehte. Heute dünken sich Zwerge, die sich in den Radkappen ihrer Dienstwagen spiegeln, als Riesen. Wir Journalisten sind zwar nur Software. Aber ohne diese Software stürzt selbst die beste Hardware ab. Der legendäre britische Zeitungszar Lord Beaverbrook schrieb einst an einen seiner Chefredakteure: „Es ist mir völlig egal, ob Sie Geld verdienen. Alles, was ich von Ihnen verlange, ist eine großartige Zeitung.“
Wer das nicht schaffte, wurde gefeuert, musste das Haus durch den Hinterausgang verlassen. Diese auf dem Markt unserer Eitelkeiten geltenden Regeln sind nach wie vor gültig. Die, die oben mitspielen wollen, dürfen deshalb nicht jammern, falls es sie erwischt. Bei manchem Rausschmiss in jüngster Zeit fragt man sich allerdings, ob es für die Stabilität des betroffenen Hauses nicht besser gewesen wäre, wenn sich der Chefkaufmann, sein Profil im Spiegel betrachtend, einsichtig gezeigt und beschlossen hätte, selbst künftig anderswo sein Geschäft zu verrichten.
(...)
Stimmt schon, Journalisten glauben, alles besser zu wissen, wie auch an diesem Text wieder mal sichtbar wurde. Aber in den Fällen, in denen es stimmt, sollten die Baumeister auf sie hören. Fragt sich nur, woran man erkennt, dass es stimmt. Genau das aber macht die Faszination unseres Berufes aus: Man weiß es einfach nie.
naja: der abgang ist nicht gerade grossartig... aber um zitate (von Michael Jürgs) aus dem kontext zu picken wirds wohl genügen ;-))
Kommentare
Konrad Fischer
Skeptiker