nachtrag: fazit aus den gesprächenzur homepage: generationengespräch. eine serie von radio drs, echo der zeit | vorgeschichte: podzieren im schnee
um 18h. echo der zeit. (heute zur situation im iran.) später dann das vierte von fünf "generationengesprächen" heute:
schriftsteller:(notiere beim zuhören mit | achtung: das ist KEIN subtraktions live blogging. üben: textsorten sofortiger erkennen ;-)
urs widmer und lorenz langenegger
widmer würde auch gratis schreiben. bitte den verlegern nicht weitersagen! schreiben ist ihm eine sucht. (bitte den suchtpräventiönlern nicht weitersagen!) | widmer führt eine kapitalistische kmu | widmer: es ist absurd als "schweizer schriftsteller" aufzutreten. wir schreiben an der weltliteratur mit | widmer: "ich versuche ja nicht der welt zu sagen wie's richtig ist, sondern ich versuche sozusagen unser allgemeines nicht draus kommen irgendwie zu formulieren." #00:28:01-0# | widmer: hört radio im hintergrund. nicht cd. obwohl er genau wüsste, welche musik ihm beim schreiben helfen täten... radio, um angekoppelt zu sein an der welt... | "ich wäre ohne das schreiben explodiert" (auto-aggression! im vergl. dazu: hegemann über castorf. "könnten typen wie castorf nicht an der bühne arbeiten, wären sie terroristen!) | je älter, je autobiografischer. das letzte buch - was er nie schreiben wird - wäre rein autobiografisch | die abmoderation tut so, als wäre urs widmer im gespräch gewesen mit seinem gut 40 jahre jüngeren kollegen... haha... | keine ahnung, wann der podcast im feed ist. (20.15h satz nachgetragen) werde dann den einen satz noch nacharbeiten. widmer: altersradikal. genial. noch immer wütig. den sollte ich mir mal noch schnappen ;-)
eintrag eröffnet um 17:27h - geschlossen um 21:15h | was ist rebell.tv ? 94. variante: rebell.tv ist eine recherche ohne schlussbericht (am schlussberichtigsten ist rebell.tv bei magazin.rebell.tv oder: "die form der unruhe" (band 1 | band 2) | zwischenfazit:
platz 1. für historikerinnen - platz 2. für schriftsteller - platz 3. journalistinnen - platz 4. unternehmerIn - wetten, dass das gespräch mit den bänkern (morgen?) am besten wird? | das gespräch der beiden journalistinnen (plus moderatorin = 3!) will ich aber noch genauer anschauen. das ist hammr. ein toller einblick in die szene. bei den historikerinnen gibts auch tolle momente. etwas flacher das gespräch mit den unternehmenden. eine forsche dame zwar. eine vr-bankerin, welche fehler einräumt. jetzt im bereich von mikro-kredite arbeitet. aber sonst etwas floskelhaft. scheint mir. darum: folgende notizen:
historikerinnen:scholkmann fragt nach dem politischen. wie es damals war...
Beatrix Mesmer ist 78 Jahre alt. Sie war bis Mitte der 1990er Jahre Professorin für Schweizer Geschichte und allgemeine Geschichte an der Universität Bern.
Caroline Arni ist 39 Jahre alt. Sie ist seit diesem Sommer Assistenzprofessorin für neuere und neueste Geschichte an der Universität Basel
mesmer reformpläne bevor 68er kamen. 68er beschreibt sie als "demokratisierung-schub", welcher heute wieder am auslaufen sei. in einem schnellen nebensatz #00:36:55-3# stil-wandel, änderung der fragestellungen etc.
scholkmann gibt es historische moden?
arni lachen bis kichern: "ja natürlich", "sehr ausgeprägt"... reihung: ereignisgschichte, sozialgeschichte, alltagsgeschichte, historische anthropologie, mikrogeschichte, geschlechtergeschichte, frauengschichte... jetzt die transnationale geschichte. "rasant" (arni macht dann beispiele, wie sich dies auf das "strategische denken" auswirkt. karriere etc.) #00:38:59-5#
mesmer moden gibt es in jedem fach. aber bei der geschichte ist es ausgeprägter, weil das fach näher an den politischen alltagsintressen liege. der durchlauf viel rascher als etwa bei den juristen.
scholkmann was ist mode? wofür kriegt man aktuell forschungsgeld?
mesmer gleichstellungs- und integrationsthemen, man bekommt "sicher geld, wenn man einer fragestellung nachgeht, die von politischer seite mehr oder weniger in auftrag gegeben wird." (bergier-kommission, kinder der landstrasse)
arni "geschichtswissenschaft zu betreiben ist nicht politische arbeit. aber historisches denken hat politische relevanz." - wissenschaftliche geschichtswissenschaft zerstört alltagstheorien, mythen... es wird "verkompliziert" (!!!) wir zeigen auf, dass "das was ist, geworden ist und insofern auch veränderbar." #00:41:22-8#
scholkmann aktuell kann man wohl kaum von einer "verkomplizierung" reden, sondern von vereinfachungen...
mesmer "ja! äh ... und ich bin nicht so optimistisch in bezug auf den aufklärerischen impuls der geschichte." ... der politische impact von geschichte sei eine zweischneidige sache. die grundlage für nationalismen im 19. jahrhundert sind von historikern gelegt worden. würde interne geschichtswissenschaften betrieben, könnte gesehen werden, dass beiträge zu höchst unterschiedlichen entwicklung gemacht worden seien. einerseits: verfestigung nationalstaatlichen denkens. andererseit: es wurden "ablaufschemen" nach denen geschichte ablaufe entwickelt (insb. politisch linke positionen). und jetzt: "beides hat sich im laufe der zeit als ingredienz für politische bomben entwickelt. und wir sind nicht ganz sicher - würd' ich meinen - dass unsere heutige hervorbringung von historischer evidenz nun nicht auch wieder verwendet werden kann als sprengstoff oder legitimierung von entwicklungen, die aus unserem blick heute gesehen nicht sehr wünschbar sind." #00:42:55-9#
arni ...vollkommen einverstanden... "ich habe aber eine vorstellung davon, was historisches denken leisten können sollte und das geht in diese richtung..." #00:43:04-3#
gleich anschliessend macht arni - sie nennt zwar das beispiel "schweizer fernsehen" und das wort "living history" - ich aber höre eigentlich "knopp" und ich vermute, sie macht hier das argument, was mir immer fehlte. bis jetzt konnte ich eigentlich nur sagen, dass mich dieses erzählen von geschichte - und dann billig im studio nachgestellte szene - einfach nervten... vielleicht weiss ich jetzt, was der grund für diese emotion ist:
arni "ich glaube, da geht es gerade um etwas anderes, als um "historisches denken": da sucht man feststehende identitäten. da sucht man vergewisserung. und ich glaube, das ist eben gerade nicht das, was wir als historikerinnen eigentlich machen wollen." (gehört? im vergleich zu den journalistinnen (s. unten): die frau sagt: ...innen ;-)
scholkmann geschichte als vergewisserung. ist das nicht legitim? #00:44:07-7#
mesmer "doch, es gehört sicher sehr stark mit dazu. vorallem bei den leuten die unsere produkte überhaupt konsumieren. um das einmal ein bisschen ökonomisch zu sagen. weil in der ökonomie einer gesellschaft gibt es natürlich sehr unterschiedliche bedürfnisse die gedeckt werden." #00:44:17-7#
"mir fällt auf, dass das historische interesse heute sehr stark in die richtung biografien und damit personlalisierung von abläufen geht." #00:44:34-2# neg. folge: personalisierung von politik. nicht erwünscht in einer demokratie.
hält es wichtig, immer "ein fenster" offen zu halten für neue fragestellungen etc. und ... "neue möglichkeiten überhaupt mit dem sonderbaren phänomen geschichte fertig zu werden." #00:45:39-2#
arni jetzt noch zur kommunikation der forschungsresultate oder weisen des denkens nach aussen... #00:45:58-6# "nicht nur dieser ständigen anforderung der vereinfachung unterwirft." auch nicht fachpersonen müssen verstehen können, aber... "dieser punkt mit dem verkomplizieren. dass es eigentlich unsere aufgabe ist, zu zeigen dass die dinge etwas komplexer sind als wir sie im ersten moment betrachten." das ist vermittelbar. "ich glaube nicht, dass die leute dermassen viel widerstand haben immer und überall gegen produktve verunsicherungen"
journalistinnen:journalistinnen #00:26:27-6#
Margrit Sprecher ist seit 11 Jahren pensioniert. Die profilierte Journalistin schreibt aber noch immer vielbeachtete Reportagen. Gerade ist ihre jüngste Reportage über St. Moritz in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» erschienen .
Michèle Roten, 30 Jahre alt, polarisiert mit ihren zum Teil provokativen Kolumnen in «Das Magazin». Demnächst schliesst sie ihr Germanistikstudium ab.
sprecher lauter funktionäre auf den redaktionen...
roten krise? lese ich aus der zeitung. "...die krise wird vorbeigehen. und ich glaub sogar, dass eine bessere form von journalismus daraus entstehen wird." #00:28:03-3#
fatzer krise bedroht zeitungen. erfolgreiche gratis-zeitungen. online-portale... "wo sehen sie die zeitungen in zukunft?" #00:28:51-4#
sprecher "die zeitungen müssen einfach besser werden. damit meine ich: sie müssen konzentrierter werden, sie müssen die dinge in gewissen zusammenhang stellen." #00:28:58-5# die angelsächsische presse mache das schon immer so...
fatzer gratis-zeitungen. stellenwerte der gratis-zeitungen im persönlichen?
roten "nicht gross" versucht möglichst nicht mit den öffentlichen verkehrsmittel unterwegs zu sein #00:30:06-6# "ich finds schon echt bedenklich, muss ich ehrlich sagen. ich seh immer wahnsinnig viele leute mit den zeitungen. also. die werden ja echt gelesen. und. ich glaub einfach all den leuten die sagen, das ist für mich nur um den überblick zu gewinnen und nachher aber lese ich nachher noch die nzz. das glaube ich keinem." #00:30:29-6#
fatzer (logo. "vorgespräche" wurden geführt...) darum weiss sie, dass sich frau sprecher geradzu auf die dinger stürzt
sprecher sie mag beide. die am morgen und die am abend. sie bewundert die kollegen von diesen redaktionen. #00:31:01-9# dieser journalismus werde noch weiter perfektioniert werden. (auch sprachlich) "in dieser arbeit steckt für mich mehr journalistisches können als in manchem langem artikel. oder wie goethe sagte: "auch breit getretener quark bleibt quark." #00:31:17-4#
"es ist kurz, es ist neu, ich erfahre alles wichige..." #00:31:33-7# "ich nehms auch gar nicht so wichtig"
roten roten fragt erstaunt nach. wer arbeitet so gut. die leute auf der redaktion oder die leute bei den agenturen?
sprecher beide #00:31:44-6# die argumentation ist HAMMR: bei den journalisten seien doch so viele ego's unterwegs. und das sei doch alles so entsagungsvoll. nie rausgehen dürfen. schreiben anonym ihre häppchen. das ist eine unglaubliche leistung. das ist beachtlich
fatzer vorallem junge lesen die gratiszeitung. wie könnend iese zu abonnenten gemacht werden?
roten es braucht "initialzündungen". die müssen einmal einen richtig guten artikel lesen. dann sind sie "angefixt"... (wow! diese wörter... das wäre ja ganz meine these aus "kuss aus dem internet" ;-)
sprecher "mich regt das internet grausam auf" #00:33:10-1# wenn sie ins internet schaut, was schon alles zu ihrem thema geschrieben wurde, dann langweilte es sie, selbst noch was dazu zu machen. sie arbeitet so: vorurteils schreiben. und danach zahlen und fakten via internet überprüfen.
roten "internet? wahnsinnig wichtig!" #00:34:20-2# (die information sei so "kompakt", so viel... ;-)
sprecher das finde sie ja eben so gefährlich. alle journalisten haben den gleichen informationsstand. "alle wissen alles. und alle genau das gleiche" #00:35:08-1# (sensationell :-))) auch schön: internet = google :-)
fatzer stichwort "qualität"
sprecher "die qualität sinkt" #00:36:04-2# heute ist alles so präzis, knapp (stress...) eigene gedanken dazu produzieren hat niemand mehr zeit... sie spricht von "melodie" ("zweite, getragenere melodie" #00:36:36-3# ) als qualitätsmerkmal! (wow)
fatzer wie macht frau sich einen namen in der branche?
sprecher frau roten hat ihr eigenes thema, den persönlichen ton
fatzer was ist ihr thema?
roten "das habe ich mich auch gefragt!" - ok... sie weiss es dann doch. sex. "aber das empfinde ich ja nicht als mein thema." #00:38:06-2# (hyperschnell gesprochen. wow... es ist nicht nicht ihr thema, es ist sogar ein problem? autsch!) so stets sogar auf der eigenbeschreibung bei dasmagzin.ch aber eben... wenn es dann so konkret im gespräch wird, ist doch eher komisch. "junge frau und sex." tja... akademisch zertifizierter journalismus halt. dieses ganz andere qualitätskritierium "quote" wird nicht einmal angesprochen. dann wird ihre stimme wieder ruhig, breiter, langsamer und sie weiss, wie "ein name gemacht" wird: "was immer gut funktioniert ist, wenn journalisten eben persönlich schreiben. auch in ich-form. subjektiv und meinungen preisgeben." danach noch: "gute texte". was auch immer das ist. worüber dann auch die worte fehlen. ich vermute, dass es dabei ja nicht nur um sprache geht, sondern eben auch um zielgruppengenerierung. eine fan-gemeinde finden für eine gewisse sprache. keine ahnung. beide "argumente" hätten jetzt aber auch wieder nix mit dem kernauftrag von "journalismus" zu tun. da ist sprecher konsistent mit ihrer argumentation: "gratis-zeitung ist toll - guter journalismus kontextualisiert"
fatzer es gibt viele kolumnen. "man" (ohne anführungszeichen!!!) muss eine marke werden. "ihre sparte, michel roten, ist ein stückweit auch, "junge frau". das ist naturgemäss vergänglich. ist das befriedigend mit dem zu punkten?" (wow) #00:39:21-0#
roten "da muss man sich schon lösen von" #00:39:33-4# für eine mundartdenkerin gekonnt umgestelltes "hochdeutsch". und auch hier: völlig frei von geschlechtsspezifischer sprache. das schein gar kein thema zu sein. und dann komischerweise doch:
fatzer "war es behilflich frau zu sein. vor 40 jahren?"
sprecher ...die weltwoche suchte eine frau, welche was schreibt, was auch frauen lesen wollen. "dann kam ich denen gerade recht." #00:40:17-2#
fatzer hat sich auch was verbessert?
sprecher nach langem rätseln. roten weiss nix. und dann doch: scheu und leise: sprecher: "ich weiss etwas" #00:40:33-6# zuckersüss: die büros! nicht mehr kettenrauchenden typen ausgesetzt zu sein. schreiben am computer ist so schön leise...
fatzer das schönste kompliment?
roten "wenn ich merke, dass die leute darüber reden" #00:41:30-2#
sprecher "wenn jemand sagt oder schreibt: jetzt sehe ich die sache ganz anders." sie versucht einen anderen blickwinkel zu finden. "und wenn das dann ankommt" #00:42:22-9# (wunderschön ;-)
die zeitcodes beziehen sich auf das jeweilige originaldokument von radio drs | in anführungszeichen = transkribiert (achtung: bezieht sich bei widmer/lehmann nur auf das eine zitat!) | übersicht: berlin 24.10.2009 - 23.03.2010









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