jetzt auch noch matthias matussek... [zu den zwei bisherigen begegnungen mit ihm] auch er hat götz aly besucht... das kann ja heiter werden... komme im moment gar nicht zum alles lesen... aber wenn matussek schon so eine grosse geschichte in seinen ehemaligen seiten spiegeln darf, werde ich mir das heute abend natürlich anschauen wollen...

übrigens: der text in der taz - danke für den hinweis - ist ja echt supr... zum beispiel:
Rutschky: Wissen Sie, es ist mir unangenehm, wie Sie fragen. Es ist auch unangenehm, wie Sie argumentieren. Das hat was ...

Aly: Interessant ...

Rutschky: Sie fragen mich ja nicht nur. Sie insinuieren etwas. Sie haben ja eine ganze Theorie im Hintergrund. Sie versuchen mit historischen Lektüren post festum auf der Basis eines schlechten Gewissens ein Fortleben des Faschismus im deutschen Sozialcharakter nachzuweisen. Das ist Schuldgefühlsökonomie bis zum Gehtnichtmehr, gestützt vonTotalitarismus-Verdächtigungen. Unangenehm ist, dass Sie jetzt im Nachhinein so wahnsinnig schlau sind. Sehen Sie denn nicht, wie jung Sie damals waren? Und dass die meisten, die bei Agnoli studiert haben, keinen Schaden an ihrer Seele genommen haben?

Aly: Ich wollte ja nur sagen, dass wir an der FU durchaus ordentliche Lehrer hatten. Die waren doch diesen Discount-Professoren, die wir als Studenten später in die Universitäten gehievt haben, hundertfach überlegen.

Rutschky: Sie sind mir zu jesuitisch und inquisitorisch.
toll ist auch, wie die beiden einander siezen... echt lustig... und - fett von mir hervorgehoben! - präzis darum gehts mir... DAS ist ja, was mir an seiner arbeit - was ich bis jetzt gelesen habe, das buch soll ja erst am 11. märz ausgeliefert werden! - so gefällt... jedenfalls:

- hanspeter spörri wird sich im wochenkommentar vom 27.02. äussern... und auch
- unser hofhistoriker ist schon ganz ungeduldig. er kündigte an, dass er mit aly einverstanden sei, später: dass dieser übers ziel hinausschiesse und späterer: er werden in seiner interpretation noch mehr nach den usa schauen... haha... das tönt nach argen problemen... :-)))

der witz ist: ich bin nicht wie götz aly in die archive gestiegen... ich habe gelesen was ich immer gelesen habe und gucke den alt68ern beim herumwerkeln zu... der totalitarismus ist auch dann eingetroffen, wenn er total liberalisiert daher kommt...

aber ich werde heute nacht wieder im bett liegen und nachlesen, was peter sloterdijk sich vor 100 jahren notiert hat. die kritik der zynischen vernunft. beim ersten lesen bin ich bloss bis seite 20 gekommen. jetzt hänge ich bei seite 52. (vergl. dazu seine zitat auf seite 15: verwirrungen des zöglings törless. bei musil. da versucht der arme immanuel kant zu lesen... suuupr! und mir gehts ähnlich bei onkel slotij ;-))) will sagen:

so wie die alt68er jetzt am rumstreiten sind, das ist ja auch bloss ein zeichen dafür, dass sie angekommen sind, wo sie sein wollten: mitten in den institutionen. sie schreiben dicke bücher. sie beschwafeln es im feuilleton. das ist ja alles gar nicht interessant... was die alten herren noch nicht begriffen haben:
erfolg ist noch keine wirkung. s. 24

und zum schluss: einfach weil so schön ist:
"wenn schon, denn schon. bei zweitausend mark netto im monat beginnt leise die gegenaufklärung; sie setzt darauf, dass jeder, der etwas zu verlieren hat, mit seinem unglücklichen bewusstsein privat zurechtkommt oder es mit "engagements" überbaut." s. 40

NACHTRAG: matussek kann bestimmt viel vorgeworfen werden: aber nicht, dass er nicht zügig durch einen text ziehen kann... macht spass, ihn zu lesen. und wie löst er die aufgabe götz aly zu besprechen? in dem er ihn zusammen mit "rebellion und wahn" von peter schneider bespricht. er zählt andere bücher zum thema auf. gerd koenen, stefan aust, wolfgang kraushaar. (und beschreibt die bücher mit einigen wilden adjektiven!) aber das buch stellt er gegen peter schneider. (und im anschluss an seinen text, lässt er noch einen auszug aus dem buch drucken...) er weiss auch, dass die beiden weährend den recherchen im apo-archiv begegnet sein sollen. und was sie sich gesagt haben. (aly: "dann treten wir wohl gegenainander an.") und dann weiss matussek auch noch eine story zu erzählen, welche götz "verdrängt" haben soll...

nein. das überrascht nicht, dass matussek sich nicht auf die seite von götz aly schlagen würde. und vermutlich überrascht es nicht, dass ich mich näher an aly halten werde. mir geht es um was anderes. und will es wiederholen: (und wie gesagt: ich bin für solche *gefühle* nicht in die archive gestiegen...) die 68er scheinen mir einen "totalliberalen" geist verbreitet zu haben. das liess sich prima vermengen zum geist der moderne, der aufklärung... vergl. dazu die eben abgeschriebenen passagen von peter sloterdijk...

die vernunft ist pervertiert. der impuls, seinen gefühlen NICHT zu vertrauen und rational zu handeln ist gescheitert. die zynisch gewordene vernunft aber... also... gemäss sloterdijk hat der moderne zynismus das politische und kulturelle bewusstsein zwei mal ausgeprägt: in der nachfolge der weimarer republik... "deren erstes erbe der faschismus und dessen zweiter spross unsere zeit ist."
trotzdem/deshalb: der text von matussek ist klasse. weil er paraphrasiert, weil er in eigenen worten tolle einführungen in die diskussion macht. weil der text grundlagen legt, für vertieftere, differenzierte ergründungen...